01.06.2005 20:36 von Karl Gerlach
Immer wieder werde ich gefragt: "Du warst in
England, beim Tough Guy, was ist das denn?" Und hierauf kann ich nur
folgendes sagen: Das Tough Guy Race gilt als eines der verrücktesten
und gefährlichsten Hindernisrennen der Welt. Es findet nun mehr seit 19
Jahren immer am letzten Wochenende im Januar statt, und zwar nahe der
englischen Stadt Wolverhampton. Dieser liegt etwa eine halbe Stunde von
Birmingham entfernt. Die, die durchkommen, dürfen sich Tough Guy (harte
Hunde) nennen, und bekommen zum Dank eine außergewöhnliche Medallie.
Auch dieses Jahr kamen wieder ca. 6000 Teilnehmer aus aller Welt (lt.
Veranstalter), wie zum Beispiel aus Deutscland,
Niederlanden,Frankreich,Schweden und sogar aus Kanada. Der Pacour
befindet sich auf einem etwa 150 ha großem Grundstück. Insgesamt sind
hier ca. 12 km Laufstrecke zu bewältigen, die mit einigen steilen
Anstiegen und allerlei diversen Hindernissen gespickt ist. Das
Herzstück des Rennens bilden die sogenannten Killing Fields. Hier muß
eine große Anzahl harter Hindernisse überwunden werden. So müssen die
Teilnehmer unter fünfzig Zentimeter tief befestigten Stacheldraht durch
den Matsch robben, durch enge und abgedunkelte Tunnelröhren kriechen,
unter einer Holzbrücke hindurch in eiskalten Tümpeln tauchen, von einem
2,5 m hohen Podest in einen kalten Tümpel springen und abtauchen, auf
10 m Höhe klettern oder sich von drei Meter Höhe abseilen. Als Zugabe
müssen zwischendurch noch brennende, und unangenehm stark qualmende,
Heuballen überwunden werden.
Dieses Jahr kamen von den 6000
Teilnehmern lt. dem Fernsehsender Pro Sieben ca. 3400 Teilnehmer ins
Ziel. Da das Tough Guy Race als gefährlich gilt, gibt es vor Ort an
jedem Hindernis Marshalls, die erschöpften Teilnehmern weiterhelfen
oder sie zu einer der zahlreichen Ambulanzstationen bringen. Die vielen
Sanitäter arbeiten auf Hochtouren. Die häufigsten Unfälle sind
gebrochene Arme oder Beine, am gefährlichsten ist jedoch die
Unterkühlung. Diese entsteht sehr schnell in dem eiskalten Wasser und
dem Laufen auf der freien Fläche in durchnäßten Kleidern. Hier bemerkt
jeder Läufer den teilweise böigen, und kalten Wind sehr deutlich. Die
Außentemperaturen betrugen dieses Jahr 3° Celsius.


In
19 Jahren ist in dieser Renn-Geschichte bisher niemand gestorben,
obwohl jeder zu Beginn als typisch britischen Scherz einen "Death
Warrant" unterzeichnen muß. Das ist eine Art Todesvertrag, in dem der
Teilnehmer im Falle seines Ablebens die volle Verantwortung übernimmt.
Übrigens, ins Leben gerufen wurde dieser Event von Billy Wilson. Er war
früher bei den königlichen Grenadier Guards und seine Erfahrung sagt
ihm, je härter ich das Rennen gestalte, desto begeisterter sind die
Leute dabei. Danken möchte ich hier auch noch einmnal ausdrücklich dem
Mendener James Mc Cully, der mich bei der organisatorischen Vorarbeit
unterstützt hat. Außerdem hat er uns in Wolverhampton per Telefon zu
unserer Unterkunft gelotst. Dies war auch dringend nötig, da wir bis
dahin schon zwei Stunden lang durch Wolverhampton geirrt waren und der
Verzweifelung nahe kamen. Immerhin hatten wir schon 900 km Anfahrt
hinter uns. Das Motto der Veranstaltung war kurz aber prägnant auf zwei
Schildern zu lesen, die im Rahmen des Rennens vor zwei Hindernissen
angebracht waren: No Air, No Panic!

