10.05.2008 14:14 von Thomas Kuschel
Es war am Morgen des 10.Mai 2008, als wir uns von Menden auf den Weg nach Duisburg machten, um am längsten Nonstop-Lauf Deutschlands, der TorTour de Ruhr, teilzunehmen. Wir, das sind die Läufer Karl Gerlach, Henry Wibberg und Tom Kuschel vom Marathon-Club Menden und unsere Lauffreunde Tilman Gurries aus Unna und Norbert Ebbert. Dazu Gerd Glasmeyer, der die ersten 56km mit lief und danach auf das Rad stieg, um zu begeleiten und Eisen-Rolli Grondke, der mit Rad und Anhänger (gesponsert von Zweirad Wittwer, Fröndenberg - vielen Dank, das Teil war Gold wert) die ganzen 230km treuer Betreuer war. Fahrerinnen waren Victoria, Moni, Gerlinde und Conny. Zu ihnen später mehr.
Nach Fußmarsch zur Rheinorange, wo die Ruhr in den Rhein mündet, waren wir am Start. Viele andere Ultras versammelten sich, einige als Helfer oder Begleiter, teils mit Rad, manche für den 100km-Bambinilauf und insgesamt 17, die auf Schusters Rappen die vollen 230km bis nach Winterberg wollten.
Jens Vieler, der Organisator des Events und Einzelläufer der Tortour de Ruhr in 2007 und sein Helferstab begrüßten uns. Schon an dieser Stelle unser aller herzlichster Dank an ihn und sein Team - es war eine absolut tolle Veranstaltung, super gemacht.
Und nach vielen Fotos, Plauderei und letzten Vorbereitungen war es auch schon schnell Startzeit. Leicht verspätet gingen wir unter dem riesigen, orangenen Stahlkoloss an der Mündungsspitze der Ruhr auf die TorTour. Bislang hatte ich noch nichts annähernd Langes gelaufen, mich aber schon seit Monaten vorbereitet und trainiert. Jetzt endlich ging es los. Ein komisches Gefühlsgewusel aus Erleichterung, Anspannung, Nervosität und vielem anderem mehr. Der Startschuss fiel und zäh setzte sich das Feld in Bewegung, keiner wollte schnell sein angesichts der vor ihm liegenden Entfernung von 230km. Die Umstehenden machten ein paar Bilder (unter anderem auch das WDR-Regionalfernsehen), dann waren wir richtig unterwegs, als die Ruhrmündung hinter uns verschwand.
Ohne zu wissen, was wirklich auf uns zukam, trabten wir also los unter nahezu wolkenlosem Himmel mit jetzt schon muckeligen Temperaturen: 5 Tortour-Läufer, ein laufender Begleiter und Rolli mit Hänger, der mit über 40kg voll bepackt war - das war unsere Gruppe und wir wollten möglichst lange zusammen bleiben. In der Gruppe läuft es sich halt doch leichter.
Nach nur 2km wechselten wir die Ruhrseite und am Nordufer entlang auf dem Damm hatten wir Einblick in den Duisburger Hafen, dem größten Binnenhafen der Welt. In unserem gemütlichen Tempo kamen wir durchs südliche Oberhausen und am Aquawassermuseum in Mühlheim nach 12,5km war der erste Stopp. Moni und Victoria waren mit ihren Autos vorgefahren. Wir waren nun eingelaufen und mit Trinkblasen und komplett ausgerüstet ging es jetzt richtig los. Wieder auf der Südseite der Ruhr liefen wir durch oft schattenlose Ruhrauen. Die Sonne knallte. Schon jetzt machte sich der Einsatz unseres Begleitrades bezahlt, denn viel trinken war sehr wichtig und davon hatte Rolli reichlich geladen. Bei 25km war der erste Verpflegungsposten im wohltuenden Schatten. Hier, wie auch an jedem anderen VP unseren Dank an die oft Stunden ausharrenden Helfer, die uns immer aufs beste versorgten.
Die folgenden Kilometer waren traumhaft. Man konnte kaum glauben mitten durch den Ruhrpott zu traben. Das sah ehr aus wie an der Mosel oder am Mittelrhein mit ganz viel Grün und Landschaft. Durch Essen an Kettig vorbei ging es weiter nach Werden, dem Beginn des Baldeneysees. Hier war schon ´ne Menge los, viele Menschen, die das sonnige Wetter ausnutzten. Manche fragten uns, was wir vor hätten so groß beladen und ausgerüstet. Doch als wir antworteten, wir wollten von Duisburg nach Winterberg, war oft ungläubiges Staunen zu spüren. Manche fühlten sich wohl auch veräppelt.
Unterhalb der Villa Hügel liefen wir schattig das Südufer ab. Am Ende des Sees bei 42km, also nach Marathondistanz war der zweite Versorgungspunkt erreicht. Bei uns, wie auf Helferseite war die Stimmung prächtig und so fiel es schwer, sich wieder auf den Weg zu machen. Die Ruhr machte einen weiten Bogen nach Norden und in Essen-Huttrop machten wir wieder eine Trink- und Toilettenpause auf der schattigen Ruhrbrücke. Bei jetzt 30°C und mehr war das unentbehrlich und langsam merkte man, dass der Hänger Getränkeladung verlor. Weiter zwischen Essen und Bochum, vorbei an der Horster Mühle teilten wir den Weg mit jeder Menge Ausflüglern. Dann kam die Schleuse Dahlhausen. Dort warteten Gerlinde, Conny und Moni bei 56km. Stärken, Vorräte auffrischen und weiter durch das NSG Leinpfad. Auch hier herrliche Landschaft und wenig Betrieb auf den Wegen. Schon vor einiger Zeit hatte sich Peter Hunold unserer Gruppe angeschlossen. Dafür stieg Gerd als Läufer wie geplant aus und auf's Rad um. Die Ruhr machte eine großen Bogen nach Süden am Isenberg vorbei.
Von Bochum führten der Weg und die Ruhr weiter, nicht immer direkt nebeneinander, aber immer schön gelegen durch Hattingen auf der Südseite. Nach einem weiteren Zwischenstopp bei 68km kam dann bald auch der Kemnader See in Sicht. Norbert, Henry, Tilman, Karl, Peter und ich waren jetzt 10 Stunden auf den Beinen, immer in Begleitung von Rolli und Gerd. Auch wenn man noch immer um jeden Schatten dankbar war, ließen die Temperaturen endlich ein wenig nach. Wolfgang gesellte sich als Radbegleiter zu uns. So waren wir zu Neunt, als wir bei 78km am nächsten VP am Kemnader See ankamen. Der Steppenhahn hatte ihn organisiert inmitten des Trubels der Picknicker und Sonnenbader.
Entlang einiger Windungen verließen wir Bochum endgültig und erreichten Witten. Als kleines Highlight überquerten wir mit der Fähre (Teil des Original-Radweges) die Ruhr an der Ruine Hardenstein. Für mehrere Kilometer an der Bahnlinie entlang ging es immer noch mit viel Grün an Witten vorbei. In Herbede bei 85km kam ein erster steiler Anstieg. Noch waren wir Läufer frisch, also kein Problem, doch den schweren Hänger samt Rad hochzuschieben war nicht einfach. Oben erwarteten uns jedenfalls mit frischem Nachschub an Kalorien Ingrid, Kristina, Dieter und Meinolf, wofür wir dankbar waren, denn die mitgenommenen Sachen waren nach Stunden in der Sonne nicht mehr super erfrischend.
Die Schatten wurden länger, als wir aufbrachen und durch das Ruhrtal nach Wetter kamen. Die Sonne ging langsam unter und um den Harkortsee umfing uns Dunkelheit. Durch das alte Viadukt bei Herdecke waren wir dann am Hengstey See. An seinem Ufer nach ca.14 Stunden war das erste große Zwischenziel erreicht: 100km. Jens und seine Helfer erwarteten uns applaudierend und mit Grillwurst (naja, nicht gerade geeignete Läufernahrung, aber es gab auch jede Menge anderes). Leider musste hier Tilman aussteigen. Die Hitze des Tages hatte ihm wohl so zu schaffen gemacht, dass er nichts mehr zu sich nehmen konnte und ausgetrocknet kann man halt keine Leistung vom Körper abrufen. Doch auch andere TorTourler hatten hier Schluss gemacht. 100km sind halt verdammt lang und hart und besser aufhören, bevor man sich total kaputt gemacht hat. Manchmal gehört mehr Mut dazu zu sagen, ich höre auf, als sich irgendwie sinnlos weiter zu quälen.
Wir stärkten uns, nahmen für die Räder Proviant auf und nach kurzem Erholungstop ging es wieder in die Nacht hinein. Endlich waren die Temperaturen milder und so ging es gut zu laufen weiter. Vom Hengstey See in Hagen über Westhofen nach Schwerte war es schnell geschafft. Zwischenzeitlich liefen wir auf Rainer Wachsmann auf, der sich unserer Gruppe anschloss. Auch hatten wir mit Reinhold Hüttemeister einen weiteren Radbegleiter für die Nacht.
Nach Schwerte war ich wieder in Gefilden, die ich kannte. Ein großer Vorteil, wenn man im Dunkel der Nacht nicht mehr nach den Ruhrtalradwegschildern suchen muss. In Schwerte-Geisecke hatte der LSF Unna (Freunde von Tilman) einen VP aufgebaut. Wir hatten mit 114,5km praktisch die Hälfte hinter uns und an einem Feldweg in der Nacht Cola und Frikadellen einwerfen im Kreise guter Freunde hat seinen eigenen Reiz. Aber es war erst Halbzeit und wir mussten weiter - ohne Peter, der hier das Rennen aufgeben musste.
Selten habe ich einen so schönen und klaren Sternenhimmel gesehen wie in dieser Nacht. Nach wenigen hundert Metern war die offizielle Mitte des Radwegs passiert und über Dellwig und Langschede waren wir in Menden. Vom Osterfeld wären es nur 15min nach Hause gewesen ins weiche, warme Bett, doch die Ruhr floss anders. In Fröndenberg hinter der Hönnemündung hatte der Marathon-Club Menden einen VP aufgebaut und nicht nur Essen und Trinken, sondern das Wiedersehen mit den Vereinskameraden, allen voran dem guten Horst Kaderhandt, war klasse. 130km lagen hinter uns. Und so schön diese Pausen sind, man muss weiter und so ging es durch die Ruhrwiesen nach Wickede. Langsam war ein kleiner Streifen Helligkeit am Horizont zu sehen, der sich nach und nach über den Himmel ausbreitete. In Echthausen, nach weiteren 100km versorgte uns Udo noch mal mit warmen Getränken. So kurz vor Sonnenaufgang war es lausig kalt geworden mit gerade mal 4°C. Nebel über der Ruhr und in den Feldern gaben ein romantisches Bild.
Nun zog sich der Weg über ein Stück Landstraße (um diese Zeit nahezu verkehrsfrei), bevor es bei Füchten wieder an die Ruhr zurückging. Neheim und die Möhnemündung folgten. Bei 150km sollte der nächste VP im Schwimmbad Nass in Hüsten kommen, aber irgendwie kam er nicht. Das hat mich, schon ziemlich durchgefroren, ´ne Menge Körner gekostet, besonders im Kopf. Man denkt sich, dass man doch einfach nicht so langsam sein kann, dass man noch immer nicht bei 150km angekommen ist. Wenn man nach gut 24 Stunden auf den Beinen auf ein Ziel wartet und es kommt und kommt nicht, man hadert mit sich selber und der Welt. Das kann einen furchtbar runter ziehen.
Doch dann war es da, das Nass, allerdings war es bei 154km. Wir waren also 14km gelaufen nach Udos VP. Das stimmte wieder mit dem Zeitgefühl überein. Erschöpft, glücklich und kalt kamen wir (Karl, Henry, Norbert, Rainer, ich und unsere Radbegleiter) an. Und Tom Ehrig und seine Kollegen hatten sich wirklich viel Mühe gegeben und einen tollen VP auf die Beinen gestellt. Auch ein paar Mendener Freunde waren da - schön sie zu sehen, das baut irgendwie wieder auf.
Leider war hier für Karl Schluss. Seine Schmerzen in Bein und Knie waren zu stark geworden. Aber Hut ab vor mehr als 150km. Norbert und Henry machten sich nach einer Pause von Gerd auf dem Rad begleitet auf den Weg. Ich trottete langsamer hinterher, von Rolli mit Rad und Hänger begleitet. Eine zeitlang war Rainer noch bei mir, bevor ich auch ihn ziehen lassen musste. Nach der Kälte war ich in einem körperlichen Tief angekommen, aus dem ich mich erst langsam wieder heraus arbeiten musste und das war ´ne üble Schinderei. Eine ganze Zeit habe ich gedacht, ich schaffe den Rest nicht mehr.
Von Hüsten nach Arnsberg ist es nicht weit, doch da die Ruhr im Tal um die Arnsberger Altstadt in weitem Bogen herum fließt, ist der Weg durch/um Arnsberg lang. Nach weiteren 10km warteten Conny, Gerlinde und Moni mit dem Auto und Verpflegung. Henry und Norbert kamen auch noch mal in Sicht und mir ging es langsam wieder etwas besser, auch wenn die Erschöpfung immer mehr zu nahm.
Aber die TorTour ist kein Kindergeburtstag. Die Temperaturen gingen schnell wieder nach oben, je weiter der Tag voran schritt. Hatte ich die Wärme am frühen Morgen noch herbei gesehnt, so war es schnell wieder zu warm.
Bei Oeventrup macht die Ruhr ein paar wilde Windungen, so dass der Ruhrradweg teilweise wieder nach Westen führt. Das ließ uns zwischenzeitlich zweifeln, ob wir noch richtig waren. Nach 175km in Freienohl warteten die Mädels mit Verpflegung auf uns. Auch hier holte ich Henry und Norbert noch mal ein, dieses Mal zum letzten. Dafür war Rainer wieder bei mir.
Nach Freienohl folgte ein ätzendes Stück Strecke. Es ging kilometerweit an der Bundesstraße entlang, wenig Schatten und weit von der Ruhr entfernt. Das war nach so viel Grün und herrlicher Landschaft einfach nur blöd in der Sonne zu laufen. Mit einem nassen Handtuch im Nacken gegen die Hitze gab es für mich und Rolli noch mal kühle Cola bei 185km von Jens selber gereicht. Endlich in Meschede angekommen waren wir wieder an der Ruhr und von der Bundesstraße weg.
Die Gebrüder Just warteten dort auf uns und neben den treuen und hilfreichen Damen waren auch Tilman (dem es nach seinem Aus bei 100km zum Glück wieder besser ging) und Victoria wieder da. Zu den Getränken gab es sogar eine leichte Massage für den ausgemergelten Körper. Das Loslaufen fiel aber immer schwerer und gerne wäre ich länger verweilt, doch Stillstand ist der Tot. Nur noch in paar Kilometer mit einer heftigen Steigung und noch steilerem Hinunterlaufen, dann durch Bestwig und kurz nach dem Bahnhof waren 200km voll.
Puhhh... Am Morgen war ich mir nicht mehr sicher gewesen, ob ich soweit kommen würde und jetzt stand die 2 vorne. Also weiter mit neuem Mut aber ohne viel Kraft. Jetzt kam das letzte Stück des Ruhrtalwegs. Nach einigen netten Zwischenanstiegen, die einem auch noch das letzte Körnchen raussaugten und einigen irritierenden Schildern und Kilometerangaben erreichten Rolli und ich Olsberg. Ich kann nicht mehr sagen, wie es genau geschah, aber hier kamen wir vom Radweg ab, wie übrigens fast alle Läufer. Da war ich soweit, dass ich einfach nur noch ins Ziel wollte, dass die Sache endlich aufhört. Also sind wir am Straßenrand der Bundesstraße berghoch gefolgt. Vor Assinghausen trafen wir wieder auf den Radweg und aus dem Ort heraus auf einen heftigen, sehr steilen Anstieg. Oben gab es noch ein letztes Mal eine Versorgungsstelle und dann waren es nur noch 11km bis zur Quelle.
Wären wir der Straße gefolgt, wir hätten uns leichter getan. Doch der Ruhrtalweg führte auf holprigen Pisten um die Orte herum statt gerade hindurch mit vielen Aufs und Abs und so erschienen die letzten Kilometer viel länger, als sie waren. Mit der Lust geht auch die Ausdauer verloren und so schleppte ich mich an Niedereimer vorbei auf den letzten Rest des Weges. Die Sonne verschwand hinter den Bergen und es wurde gleich kühl. Da bin ich am Berg wirklich noch mal angetrabt um den Körper warm und auf Touren zu halten. Erstaunlich was man dem alten Kadaver durch reine Willensanstrengung noch abverlangen kann. Dann kam die Bundesstraße wieder in Sicht und nach ihrer Überquerung waren wir fast am Ziel. Am Ende meiner Kräfte und immer noch von Rolli mit seinem Rad begleitet ging es auf den letzten Kilometer. Moni und Victoria kamen uns entgegen, begleiteten uns das letzte Stück.
Ein Rechtsknick, ein letzter Anstieg, eine kurze Gerade, um die Bäume herum... Und dann lag sie vor mir, die Ruhrquelle. Wie gerne wäre ich ihr entgegengestürmt, doch ich war froh, überhaupt noch gehen zu können. Die letzten Meter hinauf, dann auf die gepflasterte Fläche und noch drei, zwei, ein Schritt. ZIEL!!! Ich war da. Nach 230km und 37:24h war ich von der Ruhrmündung zur Quelle gelaufen. Was für ein Moment, ein Triumph. Ich habe dieses kleines Rinnsal angeschrienen vor Glück und geheult. Mit Worten nicht zu beschreiben, welch ein Hoch das ist, was für Gefühle über einen hereinbrechen, welche Last da abfällt. Ich habe mich gequält, gezweifelt, dass ich es schaffe und zum Ende hin immer mehr gelitten. Aber alles das war es wert, in diesem Moment dort zu stehen und am Ziel zu sein. Ein perfekter Moment im Leben.
Natürlich gab es viele Glückwünsche und Ziel- bzw. Siegerfotos und alles was sonst noch so dazu gehört. Und dann fuhren wir zur Kaserne nach Winterberg, wo es heiße Duschen, warmes Essen und viel zu trinken gab. Vor mir hatten bereits Elke Steicher, Mike Friedel, Henry und Norbert gemeinsam, Joachim Treiber und Rainer das Ziel erreicht. Kurz darauf finishte auch noch Lutz Schweizer die TorTour de Ruhr - alle zwischen 33:42 und 37:51. Wir lagen uns in den Armen und waren alle einfach nur froh, durchgekommen zu sein. Die ‚Siegesfeier' fiel natürlich recht sparsam aus, denn nach so langer Zeit auf den Beinen waren wir einfach nur platt.
Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause - diesmal mit dem Auto. Welche Wohltat. Und vielen Dank noch mal an Jens und all seine Treuen Helfer für Organisation und Verpflegung, die anderen zahlreichen Helfer und Verpfleger und vor allem meinem Eisen-Rolli, der die ganze Zeit bei mir blieb und mich versorgt hat - physisch wie psychisch.
Nachtrag: jetzt ist es schon deutlich über ein Jahr her, seit der TorTour 2008. Gerade habe ich für die zweite Auflage 2010 fest zugesagt. Da kommen doch so ein paar Gedanken hoch: Was bleibt von so einem Erlebnis, einer solchen TorTour?
Immer wenn ich das Finisher-Shirt überstreife, auf den Lauf angesprochen werde, noch immer nahezu täglich daran denken muss, die Erinnerungen wieder hochkommen und Bilder immer noch ganz frisch in meinem Kopf sind, dann beginnt mein Herz zu hüpfen, meine Augen zu Glänzen und meine Brust zu schwellen. Ich bin diesen Wahnsinn von 230km wirklich gelaufen (gegangen und gekrochen, auf Füßen, allen Vieren und dem Zahnfleisch), aber ich habe es geschafft. Und dieses einmalige Erlebnis kann mir keiner nehmen, diese Erfahrung ist ein Höhepunkt meines Lebens, nicht nur läuferisch, es steht fest zementiert und überragt wie ein Gipfel den Alltag.
Ich freue mich auf die TorTour 2010 und doch habe ich auch ein wenig Angst, da ich weiß, was mich erwartet. Doch weil ich weiß, was mich erwartet, kann ich es eigentlich kaum noch erwarten. Kann ich es noch mal schaffen, werde ich es noch mal schaffen? Ich weiß es nicht. 230km sind so schwer, so unendlich lang und hart - und doch so leicht. Ich brauche ja einfach nur zu laufen. Und das kann ich wie kaum was Anderes. Und das liebe ich wie kaum was Anderes.
Das Kribbeln ist wieder da, es war nie wirklich weg.