01.08.2005 20:34 von Lars-Peter Beck
Die diesjährigen deutschen
Meisterschaften im Landschaftslauf fanden beim 15. Schwäbisch
Alb-Marathon über 50 Kilometer statt. Dieser Lauf ist einer der großen
Events in der Ultralaufszene und unter anderem auch Teil der
Europacupserie. Nebenbei hat er einen ausgezeichneten Ruf, die
Laufstrecke über die drei Kaiserberge gilt als wunderschön.
Das
alles waren genug Gründe für eine wahrlich stattliche Delegation des
Marathon-Club Menden. Am Start waren Anja Samse, Anita und Josef
Kaderhandt, Thomas Mirz, Karl Gerlach, Tom Kuschel und ich. Problemlos
fanden wir uns auf dem Marktplatz in Schwäbisch Gmünd, denn die
Trikotfarbe des MCM besticht auch nach mehr als zwanzig Jahren noch
immer durch einen hohen Wiedererkennungswert.
Die ersten
Kilometer nach dem Start um 10:00 sind absolut unkompliziert. Acht
Kilometer flach durchs Tal und dann die ersten Anstiege der mittleren
Kategorie. Nichts ernsthaftes, aber man sollte nicht überziehen.
Freilaufen und durchatmen, wunderschöne Landschaft. Ich habe heute
übrigens einen persönlichen Streckenbeschreiber, mein langjähriger
Trainingskollege Hans-Martin Linn läuft mit mir und da er vor zwei
Jahren schon einmal hier war, kann er wahrlich so einiges erzählen.
Kilometer
12, nochmal eine kurze Verschnaufpause, leicht bergab durch eine
Ortschaft, die Sonne scheint, zusammen mit dem frischen Wind aber
durchaus angenehm. Kaiserwetter könnte man meinen und so langsam
beginnt der eigentliche Anstieg auf den Hohenstaufen. 220 Höhenmeter so
etwa zwischen Kilometer 13 und 17. Erst eher unspektakulär, doch nach
einer Wiese ist es dann vorbei mit dem lockeren Laufstil und es geht
erstmals so richtig ans Eingemachte, ganz bis nach oben in den Innenhof
einer Burgruine, dort eine Runde, einen Becher Wasser schnappen und
wieder runter, teilweise wieder denselben Weg.
Diese Schleifen
und Wendepunkte ziehen sich dann auch durch die ganze Strecke. Nicht
immer ganz einfach, denn wenn man auf dem Hinweg bergab läuft, muss man
dann nachher alles wieder hochrennen. Mit zunehmender Müdigkeit
schwindet da dann schon deutlich die Akzeptanz.
Egal, das Rennen
ist noch jung und es geht jetzt noch einigermaßen locker auf gut einem
Kilometer wieder runter, durch den Ort Hohenstaufen durch und dann über
ein Hochplateau zum nächsten Dreikaiserberg, dem Rechberg.
Traumhafte
Ausblicke zu beiden Seiten, das Tempo passt, der erste Berg ist schon
wieder Geschichte, mal ein bißchen rauf, mal etwas runter, aber niemals
flach. Erwartungsgemäß zieht sich das Feld nun doch schon deutlich
auseinander und der zweite Anstieg zum Rechberg dünnt es noch weiter
aus. 160 Höhenmeter auf gut zwei Kilometern führen nun doch schon zu
deutlich bemerkbaren Ermüdungserscheinungen in den Beinen, oben auf dem
Berg angekommen (gleichzeitig Ziel für die 25-Km-Läufer) sind wir uns
einig, dass der Lauf jetzt eigentlich erst losgeht.
Wieder
runter, 130 Höhenmeter auf einem Kilometer, zum Glück ist es nicht
allzu glitschig, aber die Knie merken sich hier jeden Schritt. Wobei
der Rechberg sowohl bergauf als auch bergab vom Bodenbelag einfach ist,
überwiegend asphaltierte Wege.
In der Ferne wartet schon der
Stuifen. Von Hans-Martin habe ich schon diverse Schauergeschichten
gehört, er sei der Schwierigste der drei Kaiserberge und irgendwie
zieht sich auch das Wetter zu, es wird windiger, ich werde immer müder
und wieder geht es über einen Feldweg hoch zum Berg, bei Kilometer 28
beginnt dann eine Schleife, die zuerst um und dann auf den Stuifen
führt. Am Anfang noch passabel auf schönem Schotterweg mit noch
schönerer Aussicht, dann aber höchst erfrischend über einen schlammigen
Trampelpfad mit nassen Baumwurzeln. Überholen unmöglich und ab einem
gewissen Punkt aufgrund der Steigung auch nicht mehr sinnvoll. Denn
selbst das Gehen (oder Klettern) tut jetzt weh.
Irgendwann, ja
wirklich irgendwann waren auch wir dann oben, am höchsten Punkt der
Strecke mit ca. 700 Höhenmetern, müde, abgekämpft, es regnet und nun
geht es wieder gnadenlos bergab und langsam streiken meine Knie und die
Waden wirklich auf der ganzen Linie. Bergablaufen hätte man üben
sollen, doch so wird es wirklich zur Qual.
Wieder unten,
Kilometer 31, Ende der Schleife um den Stuifen und wir benötigen erst
einmal einen Kilometer um unsere Muskeln wieder zu beruhigen. Zeit für
ein kurzes Zwischenfazit. Noch 19 Kilometer, ziemlich müde, aber die
drei Berge sind geschafft und somit kann ja jetzt nichts wirklich
Schlimmes mehr kommen, zuckeln wir also nach Hause.
So etwas
bezeichnet man wohl im Allgemeinen als krasse Fehleinschätzung. Es sind
nämlich in Wirklichkeit insgesamt fünf Berge, natürlich sind die ersten
drei bzgl. der Höhenmeter wirklich heftig. Was aber danach kommt, ist
wirklich anspruchsvoll, nur eben anders. Da zieht die Müdigkeit alle
Register.
Wieder eine Welle nach oben übers freie Feld,
Gegenwind, leichter Regen und dann wieder runter. Und bei Kilometer 33
sieht man dann alle einen steilen Anstieg rauflaufen bzw. gehen. Denn
Laufen im engeren Sinne kann hier niemand mehr. Nochmal 60, 70
Höhenmeter, nochmal eine Schleife, doch irgendwie geht es mir jetzt
besser, eine der seltenen Hochphasen in diesem Lauf. Nur noch ein Berg.
Trotzdem ewig müde.
Kilometer 37: endlich geht es wirklich nach
Hause. Abzweig nach Waldstetten, noch einmal ein kurzer Anstieg und
dann geht es gut drei Kilometer lang nur bergab, etwa 200 Höhenmeter.
Meine Beine quittieren das nur noch mit ungelenkem Rumgeeiere und als
wir dann irgendwann auf die Hauptstraße in Waldstetten kommen, ist der
Akku wirklich leer. Die Sonne scheint und es wird wieder warm. Ziemlich
schlurfiges Rumgezuckel und wie schön wäre es, wenn hier an der
Isostelle bei Km 41,5 schon Schluss wäre.
Apropos Iso:
Hervorragende und freundliche Verpflegungsstellen sowie perfekte
Absicherung der Strecke durch die Polizei. Extralob, das war wirklich
vorbildlich.
Vergessen wir das also wieder mit Km 42. Zwei
Becher Cola reingewürgt und weiter. Es sind noch acht Kilometer, jeder
Schritt tut weh, jede Steigung zieht die Restmotivation in
Mitleidenschaft, nur noch kämpfen, Strecke strukturieren, baah. Ich
versuche nun, die verbleibende Strecke auf meine heimischen
Trainingsrunden umzurechnen, aber das hilft auch nur temporär.
Denn
da kommt noch so ein richtig knackiger Anstieg, zweigeteilt bei
Kilometer 43, etwa 80 Höhenmeter. Vorbei an einem Bauernhof, dessen
Kids sich so richtig freuen, dass hier mal was los ist. Auch da kommen
wir noch irgendwie rauf - und wieder runter, es wird wärmer, aber auch
das ist schon egal.
Straßdorf, letzte Ortschaft bei Kilometer
44. Akku leer, Beine leer, Kopf leer, keine Lust mehr. Jetzt nochmal
fünf Kilometer leicht bergab auf einem vorbildlich asphaltierten
Bahndamm. Auch dieser streckentechnisch feine Zug hilft uns nicht mehr
entscheidend weiter, irgendwie den Km-Schnitt knapp über 5:00 halten
und gegen den mittlerweile recht sauren Magen kämpfen. Zum Schluss hab
ich dann jede Minute einzeln gezählt, völlig leer im Kopf und
eigentlich nur noch müde. Und auch die letzten 800 Meter im Zieleinlauf
- mit vielen Zuschauern und bei prächtigem Wetter - konnten uns dann
nicht mehr wachrütteln. Das war einfach nur hart.
Das Fazit nach
meinem dritten Ultra: Wunderschöner aber knochenharter Lauf, man sollte
sich speziell auf die Bergabpassagen gezielt vorbereiten. Und es war
eine schöne Sache, mit vielen MCM-lern zusammen hier im tiefen Süden zu
starten. Ich bin jetzt nur gespannt, wann mein Muskelkater wieder
verschwindet ;-)))).