28.02.2009 22:42 von Thomas Kuschel
Seit einigen Jahren habe ich Bad Salzuflen als Februartermin fest in meinem Laufkalender stehen, denn es ist nicht nur ein schöner Landschaftsmarathon, sondern das Preis/Leistungsverhältnis ist mit € 10,00 nahezu unschlagbar. Also fuhren auch dieses Jahr wieder eine ganze Reihe Mendener vom Marathon-Club (Conny, Gerlinde, Monika, Sonja, Gerd, Rolli, Georg, Friedrich und meiner einer) nach Bad Salzuflen zum Baukastenmarathon, um uns auf die verschiedenen Streckenlängen zu verteilen. Baukasten heißt, man kann während des Rennens bestimmen, welche Distanz man zurücklegen möchte. Man braucht einen Kilometer auf die Runde und einen zurück. Die Runde selber ist acht Kilometer lang, so dass man bei Minimum zwei Runden auf 18KM kommt, bei drei auf 26KM, bei 4 auf 34KM und fünf sind dann halt Marathon. Nach der Hauptverpflegung an der Obernbergwiese am Rundenanfang/-ende kann man sich während des Wettkampf entscheiden, ob rechts ab ins Ziel oder links eine weitere Runde. Und jede Strecke hat ihren eigenen Zieleinlauf mit entsprechender Wertung. Also der ideale Test, wie fit man so früh im Jahr schon/noch ist. Lediglich wenn man sich für den 10er meldet, dann kann man auch nur diesen laufen (eine Runde mit gesondertem Start). Und Salzuflen ist ein Garant für Wetterspiele, wie das zu einem echten Landschaftslauf gehört. Von Eis, Schnee und Frost bis zu strahlendem Frühlingswetter kann man alles erleben. Diese Jahr war halt mal wieder leichter Niesel und viel Schlamm angesagt. Doch der Reihe nach. Man kann nicht in direkter Nähe des Schulgeländes parken, aber weit sind die Wege trotzdem nicht. Auf dem Gelände selber war alles wie auch in den Jahren zuvor dicht beieinander in Hallen aufgestellt. Neben dem Startbüro in der Sporthalle war dort eine kleine Marathonmesse. Im Schulgebäude war entsprechende Gastronomie und davor eine Grillbude zu finden - alles zu einem guten Kurs. Lediglich die Umkleiden waren für so viele Starter etwas beengt. Mich plagten immer noch leichte Nachwehen eines schmerzenden Muskels am Gesäßansatz, weswegen ich nur einen Trainingsmarathon in moderatem Tempo laufen wollte. Und so reihte ich mich in die breite Mitte des einige hundert Starter umfassenden Feldes ein. Nachdem die schnellen 10er bereits unterwegs waren, ging es für uns mit fünfminütiger Verspätung bei bedecktem, aber trockenem Wetter und Temperaturen knapp an 10°C auf die Strecke. Zuerst ist der Weg auf den ersten Metern im Wohngebiet noch gut zu belaufen, auch wenn die parkenden Autos ein paar Ausweichbögen nötig machen. Dann verengt sich die Strecke sobald es in den Wald geht. Auf dem gezogenen Stück berg hoch (über 50 Höhenmeter) stockte es einige Male leicht, besonders, wo das abfließende Wasser ein paar nette Schlammpfützen gebildet hatte. Wer da nicht weit vorne mit dabei war, der hatte eine lange Aufholjagd vor sich, um wieder dorthin zu kommen. Nach etwa einem Kilometer erreichte das Feld den Scheitelpunkt des Hügels und wir waren vom Zubringer auf der Runde. Die führte uns sogleich wieder hinab und nach einer Linkskurve über einen Bachlauf. Auf vielleicht zweihundert Metern kam jetzt ein richtig nettes Matschstück. Weiter wieder durch eine Senke am tiefsten Punkt und dann einen kleinen Bachlauf entlang bis an eine Straße, deren Verlauf wir parallel folgten auf einem Weg immer ein paar Meter oberhalb der Böschung. Auch hier war es oft recht schlammig und an den vielen kleinen An- und Abstiegen auch ganz nett rutschig, was bei dem immer noch dichten Feld zu kleinen Verzögerungen durch Rückstau führte. Nachdem die Hälfte der Runde erreicht war, ging es zuerst leicht bergan. Nach der Getränkestelle (Tee und Wasser) bei 4,5 Rundenkilometern ging es dann einen gemeinen Puckel hoch. Bis zur Hauptverpflegung und dem Rundenende/-anfang führte die Strecke bis auf kurze Ausnahmen stetig bergan. Dafür ist der Weg auf der zweiten Hälfte fast durchweg befestigt mit längeren Asphaltabschnitten und damit sehr viel besser zu laufen als die erste Hälfte. Dann erreicht man den höchsten Punkt und auf den hundert Metern bis zum Ende der Runde kam die Hauptverpflegung. Dort gab es alles, was der/die LäuferIn braucht und wer wollte auch noch das eine oder andere Leckerli mehr. Jetzt liefen wir alle einen Linksknick hinab und waren auf der zweiten Runde. Rechts ab wäre es zum Ziel gegangen, aber Minimum zwei Runden waren ja Pflicht. Und im Gegensatz zur ersten Runde konnte man jetzt auch mal den Blick heben ohne Gefahr zu laufen, dem Vordermann/frau in die Hacken zu treten. Das Feld war nach 9 Kilometern deutlich entzerrt. Dafür waren die Schlammlöcher jetzt noch etwas breiter und tiefer ausgetreten. Auch die Kilometermarkierungen (kleine Schilder am Wegesrand) fielen besser auf. Zwar war nur jeder fünfte Kilometer gekennzeichnet, aber dank dem ersten Stück bergauf bis zur Runde stand an jedem Kilometer ein Schild. Man musste halt nur ein wenig rechnen. Mir war jetzt schon klar, dass mein schmerzender Muskel einen Marathon locker schaffen würde. Nur das Tempo würde halt nicht berauschend sein. Aber egal, das war mir ja eigentlich vorher schon klar gewesen. Und so hatte ich genug Luft, mit dem einen oder anderen Mitläufer noch ein Schwätzchen zu halten. So war Runde zwei schnell erledigt. Einige bogen zum Ziel ab (18KM-Lauf-Finisher), alle anderen nahmen sich Runde drei vor. Nach etwa eineinhalb Kilometern tauchte nach einer Senke eine Gruppe Damen auf, die mit dicken Eddings bewaffnet waren. Jeder, der nun auf der dritten Runde war, bekam einen roten Streifen auf seine Startnummer - eine einfache, aber effiziente Methode die Runden zu zählen. Und am Anstieg mal für eine Sekunde stehen bleiben macht die Zeit auch nicht wirklich schlechter. Die Matschpassagen wurden mit jedem Durchlauf matschiger. Da freute ich mich auf die zweite Hälfte, die zwar bergan aber befestigt viel angenehmer zu Laufen war. Wieder am höchsten Punkt an der Hauptverpflegung angelangt bogen viele LäuferInnen zum Ziel ab (26KM). So war es auf Runde vier schon deutlich einsamer geworden. Die Edding-Damen machten mir eine blaue Markierung auf mein Nümmerken und auch wenn ich recht gemütlich unterwegs war, so überrundete ich doch jetzt die letzten im Feld, wurde andererseits genauso von den Schnellen überholt. An der Zwischenverpflegung kurz nach der Rundenhalbzeit wurde es nötig in die Büsche zu gehen. So was ärgert mich immer ein wenig - blöde Verdauung. Als ich dann wieder am ‚Gipfel' auf das Rundenende zu lief, hatte ich das Gefühl, die Luft sei nasser geworden. Vielleicht war es Nebel oder die Wolken senkten sich, irgendwie aber wurde es ungemütlicher. Nach Beendigung der Runde hatte ich überlegt, noch mal ein wenig Tempo zu machen. Der Schlamm ließ es mich dann aber schnell wieder vergessen, als mich nur noch ein beherzter Griff in den Modder vor einem Ausrutscher bewahrte. Mit dem Edding wurde ich grün für die letzte Runde abgestrichen. Und dann liefen sich die letzten Kilometer fast von alleine. Ich verabschiedete mich von allen Streckenposten mit einem schnellen Gruß im Vorbeilaufen. Jedes Jahr bei jedem Wetter stundenlang auf vorbeilaufende Sportler zu warten, ist auch nicht immer angenehm. Als ich auf der zweite Hälfte immer noch ´ne Menge Körner über hatte, habe ich kurz mal drüber nachgedacht einfach noch eine sechste Runde ran zu hängen. Stattdessen bin ich dann auf den letzten Kilometern noch mal schneller geworden und habe noch einige Läufer eingeholt. Dann war die Runde zu Ende - rechts ab und über die Obernbergwiese hinunter ins Ziel durch einige letzte Matschlöcher und die letzten Meter auf Asphalt. Nach knapp über vier Stunden war ich dann jenseits der Linie, erstmal mit einem leckerwarmen Tee in der Hand. Wieder ein Marathon geschafft. Aus irgendeinem technischen Defekt war das Wasser der Duschen kalt - also besser nur eine Katzenwäsche, um wenigstens den groben Dreck abzuspülen Trotzdem taten mir die Muskeln nachher vom kalten Wasser mehr weh, als vom Laufen. Auch mit der Zeitnahme für die Urkunden hat irgendwas nicht funktioniert, so dass die Siegerehrung sehr knapp ausfiel. Wir nutzten noch ein wenig das Gastronomieangebot und machten uns dann auf den Weg nach Menden zurück. Die Urkunden gab es dann am nächsten Tag im Internet als Erinnerung an einen wieder mal klasse Landschaftsmarathon, der nicht perfekt war, aber trotzdem viel Spaß gemacht hat. Nächstes Jahr steht der Termin wieder in meinem Laufkalender.