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Persönliche Laufberichte

Im Frühtau zu Berge…

13.09.2008 23:42 von Thomas Kuschel

Der P-Weg-Ultra mit Deutscher Meisterschaft über 67km

 Der P-Weg ist ein Rundwanderweg um die Vier-Täler-Stadt Plettenberg, die im Herzen des Märkischen Sauerlandes zwischen Ebbe- und Homertgebirge liegt. Das Lennetal auf ca. 200müNN und die anderen Täler sind die Tiefpunkte, die Höhen steigen bis auf fast 600müNN an, so dass man aus den Tälern teilweise heftige Anstiege hoch muss, nur um sie wenig später wieder ins nächste Tal hinab zu laufen. Ein ordentliches Auf und Ab, was der Ultrastrecke mit 67km neben der Länge an sich erschwerend noch 1750 Höhenmeter hinzuführt. Alternaiv kann man aber auch einen Halbmarathon und einen Marathon in Angriff nehmen, ebenso Wander- und Walkerdistanzen oder am Folgetag diverse Radstrecken.

 

Dieses Jahr war als Besonderheit die 67er Strecke ausgeschrieben als 8. Deutsche Meisterschaften der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung im Cross- und Landschaftslauf. Da wollte ich doch gerne dabei sein.

 

Dann kamen 24 Stunden Dauerregen vor dem Start. Ich habe echt überlegt, ob ich mir das antun soll. Doch Stillstand ist der Tod und so habe ich mich am verregneten Morgen des 13.09.2008 um 6:00Uhr auf den Weg nach Plettenberg gemacht. Und schon auf der ca. einstündigen Fahrt dorthin war der Regen nicht mehr ganz so heftig. In der Stadt angekommen, hatte es fast aufgehört. Da die Innenstadt nicht sehr groß ist und ich mich noch ein wenig auskannte vom Start 2004 war das Parken, Startunterlagen holen etc. schnell erledigt und noch genug Zeit ein Schwätzchen mit den alten Bekannten zu halten. Nach letzten Vorbereitungen war es schon bald Zeit, in den Startblock zu gehen. Es gab noch ein paar einführende Worte des Veranstalters und dann ging es los bei leichtem Nieselregen.

 

Die etwas über 100 Teilnehmer setzten sich in Bewegung und nach ein paar hundert Metern durch die Stadt kam schon der erste Hügel. Karl Gerlach und ich liefen ihn langsam zusammen an. Er war nicht wirklich steil, wir konnten uns gut unterhalten, aber mit über 150 Höhenmetern ein guter Vorgeschmack auf Kommendes. Auf dem Gipfel wartete die Lila Kuh und dann ging es gleich wieder durch Wälder bergab ins Lennetal nach Pasel und über die Lenne hinüber. In Pasel war ein Versorgungsposten mit wohltuendem warmem Tee. Da Pasel nicht groß ist, wartete der nächste Berg sofort im Anschluss. Die Steigung nach Hohenwibbecke ist die längste des P-Wegs mit ca. 300 HM und einige Teilstücke sind schon ordentlich steil. Karl und ich blieben zusammen, gingen die steilen Stücke und führten unser Pläuschchen fort.

 

Oben gab es wieder einen VP mit warmem Tee. Leider war es der letzte mit diesem Luxusartikel, doch insgesamt war die Verpflegung alle 4 bis 5km wirklich prima.  Nach diesem gut 12km langen Anfang kam ein nettes, überwiegend bergab führendes Stück. Je tiefer wir kamen und das kam uns auf über 10 km beinahe unendlich vor, ließ das Nieseln nach und es wurde trockener. Wir kamen mit anderen Läufern ins Gespräch, überholten Wanderer und genossen die oftmals herrliche Aussicht. Die recht gut zu laufenden Waldwege brachten uns schließlich kurz vor Teindeln in eine Senke, aus der der Weg wieder einen Anstieg nach rechts hinauf führte.  In der Senke standen zwei Herren an einem Biertisch unter einem großen Regenschirm und boten Pinnchen mit Klarem dar. Wir lehnten danken ab und liefen weiter. Der Anstieg war nur kurz und nach dem letzten Stück nach Teindeln hinab, wo wir uns nach dem dortigen VP erleichterten, überquerten wir die Lenne erneut. Hier unten war es trocken und als man auf die umliegenden Höhenzüge sah, waren sie in Wolken verschwunden.

 

Das war der tiefste Punkt des P-Weges. Es folgte also ein Anstieg. Und der war nicht ohne. Durch die Wälder weiter nach oben folgten wir den Pfaden. Zwischendurch kam nach einigen Kilometern ein kurzes Erholungsstück auf Asphalt mit Gefälle bei Selscheid, bevor es einem Schild am Wegesrand zufolge den schönsten Anstieg hinauf ging: über Stock und Stein ein sehr steiles, aber nicht so langes Stück. Das war mal was anderes. Doch bis zum Scheitelpunkt war es noch ein langer Weg durch die Wälder gezogen hinauf.

 

Nach KM 30 trennte sich der Ultra von der Marathonstrecke, die jetzt überwiegend bergab nach Plettenberg führte. Auch wir liefen wieder hinab aus den Wolken heraus. Bis nach Hüinghausen ins Tal war das teilweise ordentlich steil, was ich ganz gut in meinen Gelenken gespürt habe. Manchmal ist rauf schonender als runter. Nach so viel nassem Wald war der Asphalt im Ort eine Wohltat. Auf dem örtlichen Sportplatz haben wir eine Rund gedreht, nicht zum Vergnügen sondern weil dort ein VP untergebracht war.

 

Es ging weiter durch bebautes Gebiet. Der nun folgende Anstieg war der gemeinste. Zuerst aus Hüinghausen hinaus war der Weg steil, doch asphaltiert. Dann ging es links ab weiter hoch und außer ein wenig Buchenlaub bot nichts Halt auf diesem Schlammstück. Karl verlor seien Schuh. Er blieb einfach im Morast stecken. Einen richtigen Weg gab es nicht. Doch trotz unseres Fluchens hatten wir im Grunde einen Heiden Spaß - und nasse Füße. Es folgte noch mehr Bergauf, doch wieder auf einem Weg. Dafür war der Pfad nach Himmelmert runter wieder abenteuerlich. Neben einer Grasnarbe, die total nass und rutschig war, gab es auch ordentlich Matsch. Mich rettete nur ein gerade noch ergriffener Baum vor einem Sturz den Hang hinab. Volle Konzentration auf jeden Schritt ließ mich nur erahnen, dass ich am 40km-Schild vorbei gerauscht, bzw. gerutscht war. Unten angekommen, hatte ich ein dickes Grinsen im Gesicht. Das ist Landschaftslauf in Reinkultur und bei dem Dauerregen zuvor eigentlich nicht anders zu erwarten.

 

Nach ein paar Metern hoch kam etwas völlig unerwartetes. Es ging um die Oestertalsperre entlang auf guten Wegen: ein längeres Flachstück. Die Talsperre ist recht klein und nach einer Kehre an ihrem Ende folgten wir dem anderen Ufer. Auch hier eine Merkwürdigkeit. Es gingen Wege nach rechts den Berg hoch, doch unser führte flach weiter. Dafür kam es dann noch mal knüppeldick. Der letzte richtig heftige Anstieg führte von der Oestertalsperre weg geradewegs in den Berg. Karl und ich hatten noch gut Kraft und so liefen wir hier hoch. Doch irgendwann sind wir dann auch ein Stück gegangen. Erst gegen Schluss wurde es wieder etwas flacher und wir liefen wieder. Mit mehr als einem Marathon in den Beinen war das Anlaufen nicht einfach, doch die Aussicht auf den Gipfel (mit über 600müNN der höchste Punkt des P-Wegs) mit VP machte das wett. Oben etwas Trinken, ein Schnittchen mit auf den Weg und weiter.

 

Nach nur ein paar hundert Metern auf dem hohen Niveau stiegen wir wieder ab auf einem engen Schlamm- und Geröllpfad. Durch den Regen war er zu einem Bach geworden und wegen des dichten Unterholzes zu beiden Seiten gab es kein Ausweichen. Langsam waren Schuhe und Füße wieder halb getrocknet, aber hier wurden sie noch mal richtig durchweicht. Und der Karl mit seinen langen Beinen ist da einfach schneller als ich. Doch wie nach jedem Berg ab hab ich unten wieder aufgeschlossen.

 

Jetzt waren wir auf einem Bergkamm mit leichten Aufs und Abs, aber ohne lange Bergstrecken. Nach einem gemäßigten Waldstück mit nur wenig feuchten Stellen kamen wir aus dem Wald heraus und waren über einen Asphaltweg in Windhausen so etwa bei Kilometer 50. An der dortigen VP meinte Karl, ich hätte die letzten Kilometer aber gut Tempo gemacht. Kam mir gar nicht so vor, ich war einfach gut drauf. Wir folgten dem Kamm weiter. Die Wolken hatten sich in höhere Regionen verabschiedet und bei langsam immer freundlicherem Wetter auf noch immer knapp 500müNN boten sich Ausblicke bis weit in die Ferne über die vielen Höhen des Sauerlandes. Ortsbezeichnungen wie Vierkreuze und Auf dem Höchsten ließen wir hinter uns. Nette, kleine Ortschaften mit willkommenen VPs folgten auf Felder und Wälder mit leichtem Profil - da konnte man den Landschaftslauf noch mal richtig genießen. Vereinzelt boten sich jetzt sogar Wolkenlücken mit Sonnenschein.

 

KM 60 war auch irgendwann erreicht und nach einem letzten, aber nicht sehr schweren Anstieg auf eine Bergkuppe ging es abwärts für den Rest des Laufes. Es war ein langgezogener, gut zu laufender Weg immer weiter kurvenreich in ein Tal hinab (ich glaube es war das Grünetal), bei dem wir unsere letzten Körner verpulverten und ordentlich auf die Tube drückten. Dann war nach einer Biegung Plettenberg vor und unter uns zu sehen. Doch nicht der direkte Weg führte dorthin, sondern noch ein ganzes Stück oberhalb der Stadt liefen wir an ihr fast schon wieder vorbei. Dann ein letzter VP und kurz darauf die 65km-Marke. Hinter uns kamen noch zwei Läufer nahe, also schnell weiter. Einen letzten steilen Abhang hinab und wir waren zwischen den ersten Häusern. Auch wenn es richtig wehtat, diesmal habe ich mit Karl bergab mitgehalten. Und so kamen wir nach einem kurzen Stück Durchgangsstraße in der Innenstadt an.

 

Wir ließen nicht schleifen, denn auf den letzten Metern wollten wir uns nicht noch einholen lassen. Und dann waren wir in der Fußgängerzone. Der Länge nach durchquerten wir sie, ein weiter Bogen und dann lag das Ziel vor uns. Wir reichten uns auf den letzten Metern die Hände und gemeinsam sind wir durch nach 6:25:51. Ein herrliches Gefühl auf dieser Seite der Linie zu stehen nach 67,8 Kilometern und 1750 Höhenmetern Anlauf - ein harter Brocken, der aber unheimlich viel Spaß gemacht hat und so ziemlich alles bot, was man bei einer Cross- und Landschaftsmeisterschaft erwarten konnte. Und jetzt strahlte selbst die Sonne vom fast blauern Himmel mit uns um die Wette.

 

Nach dem Ziel musste man über eine Bühne. Der Moderator hielt einige Sportler an (neben uns Läufern kamen auch Wanderer und Walker ins Ziel) und interviewte sie. Wir gingen zügig vorbei, denn dahinter wartete die Zielverpflegung mit Kuchen, Erdinger und anderen guten Sachen. Das haben wir uns schmecken lassen und dabei mit den anderen Finishern das Erlebte verglichen. War ´ne lustige Runde.

 

Am Morgen außer den wenigen Ultraläufern noch ausgestorben, war jetzt viel los in Plettenberg. Die Fußgängerzone stand voller Buden und Stände - ein Stadtfest eben. Nach der Dusche im Städtischen Betriebshof (heiß und sauber) machte sich Karl auf den Heimweg. Ich blieb noch ein wenig in der Stadt und schwatzte mit dem einen oder anderen Mitläufer. Bis zur Siegerehrung sollte es noch ein Weilchen dauern und als 29. gesamt und 6. M35 hatte ich da sowieso nichts zu erwarten. An einer Bude gab es die Urkunden im Sofortdruck und nachdem ich meine hatte, machte ich mich nach einem wirklich tollen Lauftag auch langsam auf den Heimweg.

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