Startseite > Aktuelles > Persönliche Laufberichte > Persönliche Laufberichte lesen

Persönliche Laufberichte

Halbmarathon in Lissabon 2006

01.04.2006 20:30 von Kurt Fehr

Eindrücke von einer Laufreise nach Portugal

52 LäuferInnen einschließlich Begleitung aus allen Teilen der Republik trafen sich am 22. März 2006 auf dem Flughafen Faro, um mit Sportreisen G. Kreienbaum, Münster, ins nahegelegene Trainingsquartier an der Algarve zum komfortablen DLV-Stützpunkt-Hotel „Alfamar Beach und Sport Resort“, umgeben von gepflegten Anlagen und mit direktem Zugang zum Strand, zu fahren.

Nach einem ersten Informationsgespräch am nächsten Morgen konnten sich die Gäste bei einem gemeinsamen Rundgang selbst davon überzeugen, dass mit einem der „schönsten Küstenabschnitte Europas“ nicht zuviel versprochen worden war. Am ausgedehnten, feinsandigen Strand, kilometerlang begrenzt durch zerklüftete rotbraun und ockerfarbene Klippen, die von tiefen und bizarren Canyons durchzogen werden, an deren Rändern die typischen Cliff-Pinien und die besonders farbintensiven Blütenteppiche der anspruchslosen Succulentenarten wachsen, wurde gleich zu Anfang schon mancher Film verschossen.

Das sportlergerechte Frühstück schuf die Grundlage für die täglichen Trainingsläufe unterschiedlicher Intensität entweder durch Oliven- und Orangenhaine mit dem betörenden Duft ihrer Blüten, durch das Gelände der vormaligen Cross-WM bei Villamoura oder entlang des welligen Kurses an den Klippen mir herrlichem Blick auf die Weite des Atlantiks – unterbrochen von bunten Fischerbooten oder weißen Segelbooten.

Eine Exkursion in den nahegelegenen Fischer- und Touristenort Albufeira mit seiner farbenfrohen und quirligen Altstadt erfolgte bequem und preiswert mit angeheuerten Taxen; einige Konditionsstarke machten sich „per pedes“ entlang des felsigen Küstenstreifens auf den Heimweg. Abends trafen sich kleine Gruppen in den örtlichen Restaurants zum Essen von landestypischen Fischgerichten oder „Piri-Piri“ (scharf gewürztes Hünchen) – dazu einen der köstlichen Hausweine oder um einfach ein „Super-Bock“ (portugiesische Lagerbier-Spezialität) zu trinken.

Bei all diesen Annehmlichkeiten wurde jedoch der eigentliche Zweck der Reise, der Start beim 16. Weltcup-Halbmarathon oder dem 8 Km Mini-Marathon, keineswegs vergessen.

Mit einem Reisebus fuhren wir am Samstagmorgen über die gut ausgebaute Autobahn die etwa 300 km durch überwiegend grüne Hügellandschaften mit bäuerlichen Anwesen und Korkeichenwäldern des Alentejo nach Lissabon; im Anschluß an eine geführte Stadtrundfahrt direkt zur Startkartenausgabe bei den Lagerhallen des Hafenbereichs – nahe des „Torre de Belèm“ und des Hieronymus-Klosters.

Dort fand „unter freiem Himmel“ die Verteilung der Startnummern und Tshirts unter den neugierigen Blicken von herbeiströmenden Einheimischen statt. Von unserem Stadthotel „Roma“ ergab sich mit der Metro eine gute Verbindung in die Innenstadt. Der größte Anziehungspunkt, die Altstadt oder „Alfama“, war mit den historischen Straßenbahnlinien (Electrico) 12 oder 28 zu erreichen.

Unser Bus brachte uns Sonntagmorgen schon sehr früh in den Startbereich auf der gigantischen Tejo-Brücke. Das garantierte zwar einen guten Startplatz in den vorderen Reihen der über 5.000 Starter für den Halbmarathon und den mehr als 30.000 Mini-Marathonern und zugleich einen zielnahen Busparkplatz, verlangte jedoch auch – allerdings bei milden Temperaturen - ein gewisses „Stehvermögen“.

Nach dem Startschuss um 10.30 h waren von der Masse der LäuferInnen alle Fahrbahnen regelrecht „überfüllt“, es bot sich eine imposante Aussicht über den riesigen Fluss, die Hafenanlagen, die „pittoreske“ Silhoutette von Lissabon. Am Ende der abfallenden Brückenrampe bei etwa 3 ½ km teilen sich die beiden Laufstrecken; entsprechend vorgewarnt hat sich aus unserem „Team“ niemand ernsthaft verlaufen.

Im Verlauf des Rennens wurde es immer wärmer; der abwechslungsreiche Streckenverlauf mit reichlich Versorgungsstationen führte durch einen Teil der Altstadt, auf der gegenläufigen Strecke kommen schon die schnellen Kenianer im „Sixpack“ entgegen, die letztlich alle – einschließlich Paul Tergat als Viertem - noch unter einer Stunde blieben – und endlich, nach einer langgezogenen Schleife, das Ziel bei der mitgebrachten Deutschland-Fahne in den zuschauerumsäumten Parkanlagen beim Kloster San Jeronimo. Anschließend waren wir alle froh, wieder an „unsere schöne Algarve“ zurückzufahren.

Dieser Tag wurde beim gemeinsamen Abendessen mit einer internen Siegerehrung abgerundet. Dabei konnten die guten Leistungen unserer LäuferInnen sich durchaus sehen lassen.

Der verbleibende Tag war reserviert entweder für eine Fahrt an die historische Algarve mit den Städten Silvres, Sagres und Lagos oder für eine ausgedehnte Strandwanderung Richtung Albufeira oder Villamoura-Marina. Unterwegs oder im Hotel konnte man schon mal den meist mürrisch dreinblickenden Altstars der aus der Riege der Diskuswerfer, Lars Riedel oder H. Schult, begegnen.

Am Wochenanfang brachten die heimischen Zeitungen ausführliche Bildberichterstattungen über die „maratona“. Irgendwie konnten sich wohl alle in der großen Schlange beim Lauf über die Brücke wiedererkennen.

Zurück