17.07.2010 19:27 von Michael Just
Vorab zum Grossglockner Berglauf: jetzt weiß ich endlich, was ein Berglauf bedeutet! Höhen, mit Anstiegen, die selbst die MCM-Bergmeisterschaften vergessen lassen. Das tolle Panorama in den Bergen entschädigt allerdings für einiges. Auf jeden Fall sollte man gut vorbereitet sein! Die Fakten zum Lauf: 11. Auflage, 905 Starter 2010 aus 23 Nationen. Start ist im Ort Heiligenblut auf 1.247 m Höhe. Es geht rauf bis zur Kaiser Franz-Josefs Höhe mit 2.370 m Höhe. Es sind 12,67 km mit 1.494 m Höhendifferenz zurückzulegen. Wer länger als 03:30 Std. braucht, kommt leider nicht in die Wertung bzw. Ergebnisliste. Das ist aber alles sehr gut zu schaffen! Am Freitag, 16.07.10 um 06.30 Uhr in der Früh machte ich mich auf dem Weg nach Saarbrücken im Saarland (ca. 400 km Entfernung), um meinen Laufkollegen Sven Kistner zu treffen. Nach einem kurzweiligen Tag bzw. kurzer Nacht machten wir uns am Samstag, 17.07.10 um ca. 03.30 Uhr auf den Weg ins ca. 730 km entfernte Heiligenblut in Österreich. Durch einen 25 km langen Megastau zwischen München und Salzburg kamen wir erst nach fast elfstündiger Fahrt am späten Mittag in Heiligenblut an. Das erste Highlight war das Befahren der Hochalpenstraße hinauf über den Großglockner-Alpenpass. Mit 3.798 m ist der Großglockner der höchste Berg in Österreich. Fantastische Fernsicht bei traumhaftem Wetter verbunden mit herrlichem Panoramablicken rundete das Ganze ab. Unsere Unterkunft, Pension Tauernalm, stellte sich als zweckmäßig, aber einfach da. Mit 30,-€ für Übernachtung/Frühstück konnte man vom Preis her auch nicht meckern. Auf dem Eventgelände im Startbereich stärkten wir uns auf der Pasta-Party mit leckeren Nudeln und kalten Getränken. Der Tag endete mit Gewittern und heftigem Regen, was sich für das Laufen am nächsten Tag als Vorteil herausstellen sollte. Am Sonntag, 18.07.10 erfolgte dann gegen 10.20 Uhr bei kühlen und windigen 13°C Lufttemperatur der Startschuss. Zu diesem Zeitpunkt zeigte das Thermometer im Ziel auf der Bergstation kühle und ungemütliche 6°C an. Vor dem Start gönnten wir uns beide noch eine angenehme und wohltuende Massage der Beine. Obwohl ich in die erste Startgruppe eingeteilt war, wählte ich mit meinem Laufpartner freiwillig und bewusst die dritte und damit letzte Startgruppe aus. Wir hatten uns vorgenommen den Lauf ruhig anzugehen, die tollen Eindrücke in Bildern festzuhalten und natürlich auch möglichst ein bisschen zu genießen. Die „Cracks" zogen vom Start weg, als würden sie einen 5.000 m-Lauf bewältigen. Auf den ersten 1,3 km verläuft die Strecke noch ziemlich flach, dann sind allerdings bereits auf knapp 1,8 km mehr 160 Höhenmeter bis zum „Kräuterwandstüberl" zu bewältigen. Der asphaltige Untergrund verleitet zu einem schnellen Anfangstempo. Aber, wer zu schnell angeht, muss anschließend büßen. Denn danach kommt die erste „Hammersteigung" bis zur Sattelalm (1.646 m): ein 1,3 km langer Fahrweg mit einer Steigung von knapp 250 Höhenmetern. Die meisten Läufer vor und hinter mir fielen hier in einen mehr oder minder schnellen, meist kniegestützten Gang (ich eingeschlossen ☺). An der Sattelalm erwartete uns die erste „Labestation". Danach konnten wir uns fast einen Kilometer lang auf einigermaßen flachem Geläuf bis zur Briccius-Kapelle erholen. Auf den anschließenden Steilpassagen über enge, steinige, zum Teil rutschige Bergpfade hoch zur Trogalm (1.874 m) wurden die meisten Läufer wiederum zu Wanderern. Auf der nun folgenden Teilstrecke von 2,6 km hatte ich eigentlich vorgesehen, „Tempo" zu machen, weil hier „lediglich" knapp 250 Höhenmeter zu bewältigen waren. Daraus wurde aber nichts, weil der Untergrund durch den vorangegangenen Niederschlag gefährlich rutschig war. Die hier grasenden Kühe hatten den Weg noch zusätzlich mit ihren Hufen schlammig aufgewühlt. Mir erschien es sinnvoller und sicherer zu sein, hier nicht alles zu riskieren und stattdessen konzentriert und vorsichtig weiterzulaufen. Optisch sah es wahrscheinlich so aus, als würde ich „wie auf Eiern laufen", aber das war mir egal. Auf diesem Teilstück wurde ich von einigen mutigeren Läufern überholt, denen die Verhältnisse nichts auszumachen schienen ... Ein bis zwei der Überholer legten sich allerdings gleich vor mir in die Matsche ... . Nach ca. 8,5 km zeigte sich mir der Großglockner zum ersten Mal in seiner ganzen Pracht. Den Anblick des „Giganten" habe ich mit einer ausgiebigen Pause und schönen Bildern genossen. Dann musste ich mich weiterhin beim anschließenden Bergablauf zum Margaritzenstausee auf knapp 2000 m Höhe auf den „Weg" konzentrieren, bzw. das, was davon noch zu sehen war ... denn anstelle des Weges hatte sich ein lustig vor sich hin plätscherndes Bächlein gebildet. Kurz vor der 3. Verpflegungsstation musste dann noch ein „richtiger" kleinerer Fluss überquert werden. Von den Steinplatten zum Überqueren war nichts mehr zu sehen. Wieder machte ein Überholer in voller Breitseite Bekanntschaft mit dem kühlen Nass. Nach der Verpflegungsstation gab es dann wieder eine kleinere Wanderung, sprich Steigung hoch zum Elisabethfelsen (2.150 m). Von hier aus hatte ich erstmalig direkten Sicht- und auch Hörkontakt zum noch 3 km entfernten Ziel. Fast zwei Stunden war ich bereits unterwegs - und das für 10 km. Der Sieger war schon seit langer Zeit im Ziel - unglaublich! Ich kam mir mittlerweile vor wie eine lahme Schnecke. Vom Elisabethfelsen ging es über größtenteils felsig, rutschige Wege runter zu einer herrlich schaukelnden kleinen Hängebrücke. Anschließend dann noch gut 1,5 km z.T. über einen wiederum überspülten Weg, 1-2 leichte Kletterpassagen und „schon" war die letzte Verpflegungsstelle kurz vor den härtesten 900 Metern des Schlussanstiegs erreicht. Hier bot sich mir ein fantastischer Blick auf den Gletscher des Großglockners, wovon allerdings durch die Klimakatastrophe nicht mehr viel von übrig geblieben ist. Bis Ende der 60er Jahre waren die Ausläufer des Gletschers noch bis unter der Kaiser Franz-Josefs Höhe (Bergstation/Zielbereich) ausgedehnt. Innerhalb von knapp über 40 Jahren hat sich der Gletscher soweit zurückentwickelt. Jetzt hörte man sehr deutlich die Zielmoderatoren und noch deutlicher die Anfeuerungsrufe der Zuschauer samt Kuhglockengeläut. Das verlieh sogar einer lahmen Schnecke wie mir einen Energieschub. Ich flog zwar nicht den Berg hoch, aber konnte sogar noch einige Teilstücke laufend bewältigen. Für die letzten 900 m brauchte ich „unglaubliche" ☺ 22 Minuten ... Die letzten Minuten waren herrlich. Ich genoss die Anfeuerungsrufe der unzähligen Zuschauer und lief letztlich jubelnd ins Ziel. Meine Endzeit von 2:47:07 Stunden bedeutete den 863. Platz im Gesamtklassement (unter ca. 905 Startern) und den 143. Platz in der Altersklasse M 40 (von 149 Teilnehmern). Nach dem Zieleinlauf gab es für jeden Teilnehmer eine üppige Verpflegung. Alles was das Herz so begehrt, wie Kuchen, heiße Suppe, belegte Brötchen und natürlich schön kaltes Bier bzw. Radler. Glücklich und mit einer sehr schönen Finisher-Medaille um den Hals machten wir uns per Shuttle-Bus auf den Rückweg hinab nach Heiligenblut. Nach einem kurzen Aufenthalt im örtlichen Hallenbad (kostenloser Eintritt bei Vorzeigen der Startnummer) stand die lange Rückreise bevor, die von Sonntagnachmittag (Abfahrt um ca. 15.30 Uhr) bis Montagmorgen (Ankunft um ca. 6.00 Uhr) im heimatlichen Menden endete. Fazit: Ein Erlebnislauf der Superlative. Ein Lauf in den Bergen der besonderen Art, den ich trotz Reisestrapazen, wenig Schlaf und überhaupt keiner Akklimatisierung genossen habe und auf jeden Fall weiterempfehlen kann. Ein anschließender Urlaubsaufenthalt sollte hier eingeplant werden. Grundlagentraining bzw. eine vernünftige Vorbereitung ist für den Lauf allerdings unerlässlich, da die Anstiege schon sehr heftig sind und mit unseren Begebenheiten nicht zu vergleichen sind. Das Motto bleibt: Der Berg ruft! Weitere Informationen unter: www.grossglocknerberglauf.at