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Persönliche Laufberichte

Erster Finnbahnmarathon (Deutschlands?) im Dortmunder Süden

22.08.2009 21:25 von Thomas Kuschel

Das andere Laufgefühl über die Langdistanz!

Manchmal findet man mehr oder weniger durch Zufall kuriose Veranstaltungen im Netz. So erging es mir mit dem ersten Finnbahnmarathon im Dortmunder Süden. Die B236 wurde umgebaut und unter Dortmund-Berghofen eingetunnelt. Auf diesem Tunnel direkt über den Röhren wurde 2008 eine so genannte Finnbahn angelegt (Wer hat's erfunden?). Das ist eine künstliche Strecke, deren Untergrund aus Holzschnitzeln, Mulch und Sägemehl besteht und sehr weich, also sehr Gelenke schonend ist.

 

Die beiden Lauffreunde Andre Steinebach und David Wilde von den Endorphinjunkies hatten bei anderen Landschaftsläufen die Idee, dass man darauf ja auch mal einen Marathon veranstalten könnte. Gesagt - getan. So sollte am 22.08.2009 der erste Finnbahnmarathon (vermutlich der erste in Deutschland überhaupt) stattfinden. Da wollte ich mit dabei sein.

 

Ich fand mich also um kurz vor acht mit einer kleinen Schar anderer LäuferInnen (noch 12 weitere Starter) am Samstagmorgen auf dem Berghöfener Tunnel ein. Auch wenn im ersten Moment alles sehr improvisiert wirkte, Andre, David und eine Handvoll weiterer HelferInnen hatten alles im Griff. Es war eine richtig nette und entspannte Atmosphäre unter den gut 20 Marathonis und Orgas. Nach ein paar einführenden Worten (auch der Bezirksbürgermeister Sascha Mader, der den Bau angeregt hatte, war gekommen und gab den „Startschuss" mit einem Händeklatschen) ging es dann auf die Runden. Und das waren nicht wenige. Die Bahn auf dem Tunnelhochplateau ist 850 Meter lang mit vielen Schleifen. Das hieß 50 Runden - also eigentlich 49,64, aber 50 ist halt ´ne runde Zahl und die paar Extrameter machen auch nichts.

 

Auf die schattenlose Strecke schien die Sonne ungehindert hinab. Die neu gepflanzten Bäume am Rande waren halt noch zu klein. Andererseits stellte sich nichts dem Wind entgegen und die im Tagesverlauf steigenden Temperaturen waren bei einer ständigen leichten Brise auszuhalten. Mit 12 Höhenmetern pro Runde kamen in der Summe immerhin 600 zusammen, die man aber eigentlich mit einer kleinen Ausnahme auch gegen Ende kaum wahrnahm. Auch die Aussicht war toll. Im Süden gab es zwar nur den Schwerter Wald mit dem alles überragenden Fernsehturm, dafür fiel das Gelände nach Norden ab und man hatte einen Überblick über die komplette Stadt Dortmund und darüber hinaus.

 

In der Ausschreibung stand, der Marathon sei mehr wie eine Verabredung zum Laufen zu verstehen und der Wettkampfcharakter nur zweitrangig. Zum Beispiel gab es keine Startnummern sondern es standen nur die Vornamen auf der Erkennungsmarke, so dass man immer wusste, mit wem man es zu tun hatte. Positionskämpfe oder Zeitenjäger gab es nicht. In dieser freundschaftlichen Atmosphäre reihten sich die Schleifen auf der Bahn aneinander, wurde gequatscht und gescherzt und von den „zahlreichen", überreichlich bestückten Verpflegungspunkten gebrauch gemacht (immerhin alle 850 Meter einer, also 50 auf dem Marathon - rekordverdächtig).

 

Und zu jedem Zeitpunkt merkte man das Herzblut, dass David und Andre da hineingesteckt hatten. Besondere Erwähnung sollte so zum Beispiel auch die Streckentoilette finden, die aus einem Campingklo hinter einem blau-weißen Sichtschutz bestand. Alles irgendwie improvisiert, aber mit einem ganz besonderen, tollen Scharm, den ich so auf vielen hundert Veranstaltungen zuvor noch nicht erlebt habe.

 

Die Runden wurden per Strichliste gezählt und es gab auch eine „offizielle" Zeitnahme nach dem fünfzigsten Strich. Jeder Finisher des ersten Finnbahnmarathon bekam als Auszeichnung eine handgefertigte Marathonschleife in Erinnerung an die vielen gelaufenen Schleifen. Auch danach quatschten und scherzten wir noch eine ganze Weile bevor die Veranstaltung mit der abschließenden großen Tombola zu Ende ging (David und Andre verlosten Sportdinge, die sie selber nicht mehr brauchten, was mit viel Spaß hingenommen wurde). Eine offizielle Ergebnisliste gibt es auch nicht, jeder Teilnehmer kann seine Urkunde unter seinem Namen aus dem Netz ziehen.

 

Manche werben ‚ein Lauf von Läufern für Läufer', aber hier konnte man wirklich sagen ‚ein Lauf unter Lauffreunden'. Hat mir mit seiner Lockerheit und Ungezwungenheit unheimlich gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Finnbahnmarathon im nächsten Jahr.

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