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2. Merkerser Kristallmarathon am 26.02.2005
- Da, wo die Sonne nie scheint
- Bericht von Tom Kuschel
Ich habe mal im
Scherz gesagt: wo ich laufe, da scheint auch die Sonne. Und sehr oft
stimmt das ja auch. Doch diesmal hatte ich mir was vorgenommen, das
garantiert noch nie Sonnenlicht gesehen hatte: den 2. Merkerser
Kristallmarathon am 26.02.2005 in einem Salzbergwerk 500m unter der
Erde.
Es war bei einem Trainingslauf an einem dieser dunklen, kalten und
obendrein noch nassen Winterabende als Anja mir von einem Marathon
unter der Erde erzählte. Dort sollte es weder nass noch kalt sein
und ich war recht schnell angetan von der Idee. Wir haben uns kundig
gemacht über dieses Event, aber selbst das allwissende Internet
gab nur wenig Infos preis. Egal, ich bin schon viele auch sehr
unterschiedliche Marathons gelaufen und Anja ist auch eine erfahrene
Läuferin. Also haben wir uns angemeldet, um in das auf 200
Teilnehmer begrenzte Starterfeld zu kommen.
Und wie haben wir uns gefreut bei all der Nässe, dem andauernden
Neuschnee, Minusgraden und anderen Widrigkeiten der letzten Wochen in
Shirt und kurzer Hose bei 21°C und staubtrockenem Untergrund und
Luft (20-30% Luftfeuchtigkeit – eine der wenigen Infos, die wir
erfuhren) zu laufen.
Am Vorabend fragte ich auf unserer Jahreshauptversammlung unseren
2.Vorsitzenden und Marathon-Weltreisenden Dieter Knoblich wie sein
Unter-Tage-Marathon war und was man da beachten müsste. Da kam
heraus, dass auch er mit Holger Finkernagel dort laufen wollte. Da
waren wir also schon zu viert – prima.

Nach einer kurzen Nacht ging es dann auch schon um vor sieben Uhr los.
Ich habe Anja abgeholt und wir fuhren los. Hatten wir im Sauerland
(A44) noch viel Nebel wurde es durch Hessen immer besser und in
Thüringen kam schon fast die Sonne heraus. Noch vor zehn Uhr
erreichten wir das Merkerser Bergwerk bei Bad Salzungen. Dieter und
Holger mit Frauen waren auch gerade eingetroffen und gemeinsam gingen
wir aus dem Schnee ins oberirdische Gebäude, holten unsere
Startunterlagen ab und nach kurzer Vorbereitung ging es mit einem
Förderkorb unter Tage in die Dunkelheit. 500 Meter tiefer
erreichten wir die Sole. Dort brachte uns ein Besucherbus (man
saß auf Bänken auf der Ladefläche eines umgebauten LKW
– also völlig offen) auf einer fast 10-minütigen Fahrt
durch wenig beleuchtete Tunnel zum „Startplatz“, einer in
den Fels gehauenen Halle von dreißig Metern Breite, zwanzig
Höhe und bestimmt zweihundert Länge.
Dort stiegen wir aus und es war auch schon nach halb elf – ca.
zwanzig Minuten zum Start. Wir zogen unsere Laufsachen an. Bei 21°C
nur kurze Hose und Shirt – wie herrlich bei all dem Schnee und
der Kälte hoch oben uns. Außerdem war es Pflicht einen Helm
zu tragen (unsere Fahrradhelme reichten) und eine Lampe mitzunehmen
für den Notfall, denn die Strecke war beleuchtet. Schnell die
Sachen verstaut und ein paar Bilder gemacht (Lydia hatte wie immer eine
Kamera dabei) und ab an die Startlinie. Pünktlich um elf fiel der
Startschuss, aber erst mal nur für die
HalbmarathonläuferInnen.
Fünf Minuten später waren wir dran. Und dann ging es auch
schon los. Peng und aus der "Starthalle" ab in die Tunnel, die mit fast
zehn Meter Breite und immer viel Kopffreiheit keine Platzangst
aufkommen ließen. Und gleich zeigte uns der Untertage-Marathon
seinen wahren Charakter. Es ging gleich steil hinauf durch viele
Kurven. "Oben" blieb man jedoch nicht lange. Dem Zickzack der Tunnel
folgend war es ein ständiges Rauf und Runter bis man nach ca.
eineinhalb Kilometer an einer Getränkestelle ankam. Von dort ging
es nochmals wieder ordentlich nach oben und sofort wieder steil hinab.
Durch viele Windungen ein ganzes Stück tiefer erreichte man wieder
die "Starthalle". Hier gab es Getränke und auch handfeste
Verpflegung.

Die Runden wurden gezählt über einen Transponder der Firma
Sportident, den man am Handgelenk trug und bei Beendigung der Runde in
eine Art Kasten stecken musste, um den Kontakt auszulösen. Das
kostete pro Runde ein paar Sekunden. Außerdem war es nicht ganz
fehlerfrei. Technische Probleme führten dazu, dass bei einigen
Läufern (unter anderem auch bei mir) die erste Runde nicht
gezählt wurde. Der Veranstalter erkannte das Problem aber und nach
Zieleinlauf und einem klärenden Gespräch mit der Organisation
war die Ergebnisliste schnell auf den richtigen Stand gebracht
(schließlich konnte man an den elektronischen Rundenzeiten den
Fehler nachweisen).
Doch soweit waren wir ja noch lange nicht. Jetzt begann nach drei
Kilometern Rund zwei. Das heißt 14 Runden insgesamt. Manche
mögen das als fürchterlich empfinden, aber gerade unter Tage
ist das etwas ganz anderes. In der oft recht diffusen Helligkeit
entdeckt man immer wieder etwas neues, lernt die Strecke bei jedem
Durchgang eine bisschen besser kennen und wundert sich doch, dass eine
Anstieg oder eine Kurve da ist, die man ganz anders oder gar nicht in
Erinnerung hat.

Ein besonderes Wort gebührt noch dem "Höhenprofil". Hatte uns
doch jemand noch gesagt, ein Anstieg sei pro Runde zu bewältigen,
so muss ich ihm energisch wiedersprechen. Da es praktisch nur hoch und
runter ging waren pro Runde meiner Schätzung nach mehr als 50
Höhenmeter zu bewältigen, was sich bei 14 Runden auf
über 700 Höhenmeter summiert. Also schon echter
"Bergmarathon" da unten.
Schnell habe ich jetzt in der trockenen, salzhaltigen Luft gemerkt, wie
mein Mund, meine Lippen immer trockener wurden und der feine Salzstaub
erst an den Beinen und später am ganzen Körper klebte. Ich
habe bei fast jeder Verpflegung während des gesamten Laufes einen
Becher getrunken – das war also fast 28 mal.
Und nachdem wir auf langsame HalbmarathonläuferInnen schon
früh aufgelaufen waren, holten wir jetzt auch Walker ein, die nach
uns gestartet waren. Hörte man oft die eigenen Schritte über
und neben sich von den Wänden wiederhallen so war das Klack-Klack
ihrer Stöcke jetzt im Halbdunkel oft nahezu unheimlich. Ich muss
aber sagen, dass ich in den Tunnels nie Probleme mit dem Platz hatte.
Die Walker machten die Strecke frei, wenn hinter ihnen Läufer
ankamen.
Und dann war wieder eine Runde geschafft, und schnell die nächste,
und noch eine und immer so weiter. Drei Kilometer sind keine lange
Strecke. Man war schnell fertig mit einer Runde und der Rest schrumpfte
schnell. In Runde Sieben überholte ich Dieter zum ersten mal.
Vorher muss ich auch Holger überrundet haben, aber leider habe ich
das nicht gemerkt. Es war halt doch nicht wirklich hell hier unten.


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