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Laufend
über die Kaiserberge - der Schwäbisch Alb-Marathon
über 50 Km
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Bericht von Lars-Peter Beck
Die
diesjährigen deutschen Meisterschaften im Landschaftslauf
fanden beim 15. Schwäbisch Alb-Marathon über 50
Kilometer statt. Dieser Lauf ist einer der großen Events in
der Ultralaufszene und unter anderem auch Teil der Europacupserie.
Nebenbei hat er einen ausgezeichneten Ruf, die Laufstrecke
über die drei Kaiserberge gilt als wunderschön.
Das alles waren genug Gründe für eine wahrlich
stattliche Delegation des Marathon-Club Menden. Am Start waren Anja
Samse, Anita und Josef Kaderhandt, Thomas Mirz, Karl Gerlach, Tom
Kuschel und ich. Problemlos fanden wir uns auf dem Marktplatz in
Schwäbisch Gmünd, denn die Trikotfarbe des MCM
besticht auch nach mehr als zwanzig Jahren noch immer durch einen hohen
Wiedererkennungswert.
Die ersten Kilometer nach dem Start um 10:00 sind absolut
unkompliziert. Acht Kilometer flach durchs Tal und dann die ersten
Anstiege der mittleren Kategorie. Nichts ernsthaftes, aber man sollte
nicht überziehen. Freilaufen und durchatmen,
wunderschöne Landschaft. Ich habe heute übrigens
einen persönlichen Streckenbeschreiber, mein
langjähriger Trainingskollege Hans-Martin Linn läuft
mit mir und da er vor zwei Jahren schon einmal hier war, kann er
wahrlich so einiges erzählen.
Kilometer 12, nochmal eine kurze Verschnaufpause, leicht bergab durch
eine Ortschaft, die Sonne scheint, zusammen mit dem frischen Wind aber
durchaus angenehm. Kaiserwetter könnte man meinen und so
langsam beginnt der eigentliche Anstieg auf den Hohenstaufen. 220
Höhenmeter so etwa zwischen Kilometer 13 und 17. Erst eher
unspektakulär, doch nach einer Wiese ist es dann vorbei mit
dem lockeren Laufstil und es geht erstmals so richtig ans Eingemachte,
ganz bis nach oben in den Innenhof einer Burgruine, dort eine Runde,
einen Becher Wasser schnappen und wieder runter, teilweise wieder
denselben Weg.
Diese Schleifen und Wendepunkte ziehen sich dann auch durch die ganze
Strecke. Nicht immer ganz einfach, denn wenn man auf dem Hinweg bergab
läuft, muss man dann nachher alles wieder hochrennen. Mit
zunehmender Müdigkeit schwindet da dann schon deutlich die
Akzeptanz.
Egal, das Rennen ist noch jung und es geht jetzt noch
einigermaßen locker auf gut einem Kilometer wieder runter,
durch den Ort Hohenstaufen durch und dann über ein Hochplateau
zum nächsten Dreikaiserberg, dem Rechberg.
Traumhafte Ausblicke zu beiden Seiten, das Tempo passt, der erste Berg
ist schon wieder Geschichte, mal ein bißchen rauf, mal etwas
runter, aber niemals flach. Erwartungsgemäß zieht
sich das Feld nun doch schon deutlich auseinander und der zweite
Anstieg zum Rechberg dünnt es noch weiter aus. 160
Höhenmeter auf gut zwei Kilometern führen nun doch
schon zu deutlich bemerkbaren Ermüdungserscheinungen in den
Beinen, oben auf dem Berg angekommen (gleichzeitig Ziel für
die 25-Km-Läufer) sind wir uns einig, dass der Lauf jetzt
eigentlich erst losgeht.
Wieder runter, 130 Höhenmeter auf einem Kilometer, zum
Glück ist es nicht allzu glitschig, aber die Knie merken sich
hier jeden Schritt. Wobei der Rechberg sowohl bergauf als auch bergab
vom Bodenbelag einfach ist, überwiegend asphaltierte Wege.
In der Ferne wartet schon der Stuifen. Von Hans-Martin habe ich schon
diverse Schauergeschichten gehört, er sei der Schwierigste der
drei Kaiserberge und irgendwie zieht sich auch das Wetter zu, es wird
windiger, ich werde immer müder und wieder geht es
über einen Feldweg hoch zum Berg, bei Kilometer 28 beginnt
dann eine Schleife, die zuerst um und dann auf den Stuifen
führt. Am Anfang noch passabel auf schönem
Schotterweg mit noch schönerer Aussicht, dann aber
höchst erfrischend über einen schlammigen Trampelpfad
mit nassen Baumwurzeln. Überholen unmöglich und ab
einem gewissen Punkt aufgrund der Steigung auch nicht mehr sinnvoll.
Denn selbst das Gehen (oder Klettern) tut jetzt weh.
Irgendwann, ja wirklich irgendwann waren auch wir dann oben, am
höchsten Punkt der Strecke mit ca. 700 Höhenmetern,
müde, abgekämpft, es regnet und nun geht es wieder
gnadenlos bergab und langsam streiken meine Knie und die Waden wirklich
auf der ganzen Linie. Bergablaufen hätte man üben
sollen, doch so wird es wirklich zur Qual.
Wieder unten, Kilometer 31, Ende der Schleife um den Stuifen und wir
benötigen erst einmal einen Kilometer um unsere Muskeln wieder
zu beruhigen. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit. Noch 19
Kilometer, ziemlich müde, aber die drei Berge sind geschafft
und somit kann ja jetzt nichts wirklich Schlimmes mehr kommen, zuckeln
wir also nach Hause.
So etwas bezeichnet man wohl im Allgemeinen als krasse
Fehleinschätzung. Es sind nämlich in Wirklichkeit
insgesamt fünf Berge, natürlich sind die ersten drei
bzgl. der Höhenmeter wirklich heftig. Was aber danach kommt,
ist wirklich anspruchsvoll, nur eben anders. Da zieht die
Müdigkeit alle Register.
Wieder eine Welle nach oben übers freie Feld, Gegenwind,
leichter Regen und dann wieder runter. Und bei Kilometer 33 sieht man
dann alle einen steilen Anstieg rauflaufen bzw. gehen. Denn Laufen im
engeren Sinne kann hier niemand mehr. Nochmal 60, 70
Höhenmeter, nochmal eine Schleife, doch irgendwie geht es mir
jetzt besser, eine der seltenen Hochphasen in diesem Lauf. Nur noch ein
Berg. Trotzdem ewig müde.
Kilometer 37: endlich geht es wirklich nach Hause. Abzweig nach
Waldstetten, noch einmal ein kurzer Anstieg und dann geht es gut drei
Kilometer lang nur bergab, etwa 200 Höhenmeter. Meine Beine
quittieren das nur noch mit ungelenkem Rumgeeiere und als wir dann
irgendwann auf die Hauptstraße in Waldstetten kommen, ist der
Akku wirklich leer. Die Sonne scheint und es wird wieder warm. Ziemlich
schlurfiges Rumgezuckel und wie schön wäre es, wenn
hier an der Isostelle bei Km 41,5 schon Schluss wäre.
Apropos Iso: Hervorragende und freundliche Verpflegungsstellen sowie
perfekte Absicherung der Strecke durch die Polizei. Extralob, das war
wirklich vorbildlich.
Vergessen wir das also wieder mit Km 42. Zwei Becher Cola
reingewürgt und weiter. Es sind noch acht Kilometer, jeder
Schritt tut weh, jede Steigung zieht die Restmotivation in
Mitleidenschaft, nur noch kämpfen, Strecke strukturieren,
baah. Ich versuche nun, die verbleibende Strecke auf meine heimischen
Trainingsrunden umzurechnen, aber das hilft auch nur temporär.
Denn da kommt noch so ein richtig knackiger Anstieg, zweigeteilt bei
Kilometer 43, etwa 80 Höhenmeter. Vorbei an einem Bauernhof,
dessen Kids sich so richtig freuen, dass hier mal was los ist. Auch da
kommen wir noch irgendwie rauf - und wieder runter, es wird
wärmer, aber auch das ist schon egal.
Straßdorf, letzte Ortschaft bei Kilometer 44. Akku leer,
Beine leer, Kopf leer, keine Lust mehr. Jetzt nochmal fünf
Kilometer leicht bergab auf einem vorbildlich asphaltierten Bahndamm.
Auch dieser streckentechnisch feine Zug hilft uns nicht mehr
entscheidend weiter, irgendwie den Km-Schnitt knapp über 5:00
halten und gegen den mittlerweile recht sauren Magen kämpfen.
Zum Schluss hab ich dann jede Minute einzeln gezählt,
völlig leer im Kopf und eigentlich nur noch müde. Und
auch die letzten 800 Meter im Zieleinlauf - mit vielen Zuschauern und
bei prächtigem Wetter - konnten uns dann nicht mehr
wachrütteln. Das war einfach nur hart.
Das Fazit nach meinem dritten Ultra: Wunderschöner aber
knochenharter Lauf, man sollte sich speziell auf die Bergabpassagen
gezielt vorbereiten. Und es war eine schöne Sache, mit vielen
MCM-lern zusammen hier im tiefen Süden zu starten. Ich bin
jetzt nur gespannt, wann mein Muskelkater wieder verschwindet ;-)))).
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