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Mehr Ufer als See: Edersee-Ultramarathon 2006
- Ein Bericht von Tom Kuschel
Wir drei wollten gerne mal wieder einen richtig langen Lauf machen und
so haben Thomas Mirz, Karl Gerlach und ich uns am Morgen des 27. August
2006 auf den Weg zum Edersee gemacht um die 60km einmal drum herum zu
laufen (angeboten wurde auch der Marathon). So früh am Morgen
waren alle Straßen frei und wir sind schnell in Vöhl
gewesen. In Ruhe konnten wir unsere Startnummern abholen und uns
für den Lauf fertig machen. Nicht zuletzt lag das auch an dem sehr
überschaubaren Starterfeld von ca. 70 Ultras. Da blieb auch
genügend Zeit mit ein paar bekannten Gesichtern etwas zu
quatschen. Mit kurzer Laufkleidung ohne Regenschutz lagen wir auch
goldrichtig. Es waren ca. 15°C und den ganzen Tag wechselten sich
dünne Wolken mit der Sonne ab: tolles Laufwetter.
Dann, um 9:00 Uhr war Start. Das Feld, bereichert durch etwa die
gleiche Anzahl Ultra-Staffeln (6 LäuferInnen), setzte sich auf der
Aschenbahn in Bewegung. Nach 300m ginge es durch den Ort Vöhl und
zuerst etwas bergab. Das Feld zog sich schnell in die Länge.
Thomas lief gleich mit in der Spitzengruppe, während Karl und ich
im Mittelfeld unser Tempo fanden. Nach 3 Kilometern stand der erste und
einzige echte Berg an. Gut 100 Höhenmeter ging es über Wald-
und Feldwege bergauf nach Basdorf. Bis Kilometer 10 liefen wir wieder
abwärts und jetzt schimmerte zum ersten Mal der See vor uns durch
die Bäume.
Auf der Uferstraße angekommen bogen wir nach links Richtung
Niederwerbe ab und umrundeten den sich weit nach Norden ziehenden
Seitenarm der Eder. Auf der breiten Promenade der Uferstraße
führte der Weg am Nordufer entlang nach Waldeck. Eigentlich waren
wir direkt am See, doch da der nicht voll war, lag die Wasserkante
einige Meter die Böschung hinunter. Ich war richtig warm und
eingelaufen und die Kilometer fraßen sich wie von selber.
In Waldeck hatte ebenfalls um 9:00 Uhr der Marathon gestartet. Für
uns 60er hieß das die ersten 18 Kilometer waren geschafft. Einen
Anstieg ging es noch am Westufer auf der Straße hoch und wieder
runter und dann lag die Staumauer vor uns. Wir überquerten sie und
waren in Hemfurth auf der Südseite. Nach kurzem Bergauf brachte
uns ein Schotterweg weiter direkt am See die nächsten Kilometer
voran. Nach soviel Straße war die Ruhe hier richtig angenehm. Vor
Rehbach wechselten wir auf Asphalt und auch hier war ein Anstieg. Oben
hatten sich Hornissen in einen Baum eingenistet, der mit Flatterband
und von Streckenposten kenntlich gemacht war. Da war es besser einen
weiten Bogen zu laufen. Die Hälfte war nun geschafft und der
schnellere Karl trennte sich langsam aber sicher von mir.
Leicht hügelig mit weitem Blick auf den See war bei Bringhausen
Kilometer 35 erreicht. Auf der anderen Uferseite waren wir heute Morgen
auf den See getroffen. Durch dichten Laubwald auf einem schönen
Wanderweg führte die Strecke jetzt wieder flacher um Buchten und
teilweise trockene Seitenarme der Eder nach Asel-Süd. Manchmal
fühlte ich mich hier sehr einsam, konnte man im Wald bis zur
nächste Biegung nie sehr weit sehen, aber der Weg musste ja
richtig sein. Abzweige gab es nicht und man blieb am See.
Es wurde wieder welliger als wir eine Straße erreichten und ihr
um weite Ausbuchtungen des Sees folgten. An Harbshausen und Buchenberg
mit nettem Hügel vorbei waren wir bald um den Westzipfel der Eder
herum und über den westlichen Zulauf des Stausees auf dessen
Nordufer zurück. Noch ein paar hundert Meter um Herzhausen und die
50 Kilometer waren voll. Wer hier aussteigen wollte, hat eine Wertung
bekommen. Doch wer will das schon, wenn nur noch ein 10er vor einem
liegt?
Also wieder eine, diesmal verkehrsfreie Uferstraße entlang. Sie
endete und führte als Waldweg weiter zur Hohen Fahrt. Wie der Name
schon sagt ging es mal wieder hoch. Oben war ich ein wenig platt. Doch
ein neuerlicher toller Blick über den Edersee ließen das
schnell wieder vergessen. Dann waren es nur noch 5 Kilometer und nach
einer Biegung erreichte ich eine Straße, deren Verlauf man nach
Norden hinab lief.
Einen letzten Seitenarm entlang wand sich die Straße bevor es
Abschied nehmen vom See hieß. Einerseits froh, nur noch drei
Kilometer vor sich zu haben, schwang andererseits ein wenig Wehmut mit
nun endgültig das Ufer zu verlassen und die letzten drei Kilometer
eine leichte Steigung nach Vöhl hinauf zu laufen. Das war schnell
geschafft und schon war das Stadion vor mir und nach einer letzen Runde
über die Aschenbahn war ich im Ziel in 5:17:33h (16.gesamt). Karl
(5:06:34/12.gesamt) und Thomas (hervorragende 4:45:56/4.gesamt)
erwarteten mich.
Eigentlich war ich gar nicht wirklich erschöpft, hätte
vielleicht noch ein paar Körner mehr verpulvern können, aber
wir waren alle drei mit unseren Leistungen sehr zufrieden und
glücklich. Bei ein paar erfrischenden Getränken tauschten wir
Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen Ultras aus, duschten schön
heiß im direkt benachbarten Schwimmbad, ließen uns
wohltuend massieren und warteten auf die Siegerehrung. Die erfolgte
bald nachdem der letzte das Ziel erreicht hatte. Alle Finisher wurden
auf die Bühne gebeten und erhielten Urkunden und gegebenenfalls
Pokale. Wir drei erreichten in der Mannschaftswertung den
2.Platz. Dann war alles vorbei. Gut gelaunt und etwas müde
machten wir uns auf den Heimweg nach einem wirklich schönen
Lauftag.
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