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Fichtelgebirgsmarathon
2005
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Wie
jedes Jahr - Start in die Herbstsaison beim Fichtelgebirgsmarathon
- Ein Bericht von Lars-Peter Beck
Nach
Verletzung, Heuschnupfen und Urlaub und somit nach einer wochenlangen
"Nahe-Null-Kilometer-Zeit" wird es jetzt langsam für mich Zeit
wieder Gas zu geben. Schließlich kommt Berlin immer
näher. Und wie im letzten Jahr bietet der Marathon im
Fichtelgebirge eine willkommene Gelegenheit ein paar qualitativ
hochwertige Trainingskilometer aufzuschreiben.
Wie jedes Jahr allerdings die üblichen Zweifel: Reicht die
kurze Vorbereitung? Diesmal immerhin zwei Wochen. Komme ich da heil
durch? Wie heiss wird es diesmal? Also eher verhaltener Optimismus.
Letztes Jahr war ich nach 3:43 im Ziel. Bei 15 Grad. Heute wird es wohl
doppelt so warm. Hoffentlich verdoppelt sich nicht auch die Zeit...
Zusammen mit der bei mir für Samstagmorgen bekannten
Müdigkeit lässt sich daher ohne
größere Probleme die Strategie für den
heutigen Lauf ableiten: Langsam loslaufen und irgendwie durchkommen.
Viele der Teilnehmer an diesem Tag verfolgen wohl eine
ähnliche Zielsetzung. Fichtelgebirge ist Genuß,
viele Läufer kommen hier jedes Jahr hin, manche treffe ich nur
hier. Einmal im Jahr.
Dementsprechend locker geht's dann traditionsgemäß
auch am Start zu. Keinerlei Hektik zu erkennen, lockeres Loslaufen
allerseits. Auch bei diesem Lauf, weit weg in der
nordöstlichen Ecke Bayerns, ist der Marathon-Club Menden
natürlich mit einem Großaufgebot vertreten:Lydia und
Dieter sind diesmal auch mit dabei und somit stellen wir immerhin gut
0,8% der Teilnehmer. Man rechne das mal auf das Teilnehmerfeld beim
Berlin-Marathon um!
Die ersten drei Kilometer geht es erst einmal um den
Weißenstädter See herum. Hier findet
übrigens auch immer der hiesige 6-Stunden-Lauf statt, daher
alle 200 Meter eine Markierung. Zum Warmlaufen ist das ideal. Zum
Aufwachen auch. Denn irgendwie bin ich noch ziemlich verschlafen. Wie
so oft bei Landschaftsläufen, da fehlt einfach das
Startfieber.
Weg vom See und rauf auf eine Landstraße, leicht bergan,
warmer, fieser Gegenwind. Schon jetzt - um 8:30 Uhr - locker
über 20 Grad und immerhin befinden wir uns ja schon am Start
gut 600 Meter über dem Meeresspiegel. Das wird ziemlich warm
heute. Aber gleich geht's erst einmal in den Wald. Schatten und
Windschutz. Kilometer 5, die erste Verpflegungsstelle. Im
Fichtelgebirge jedes Jahr perfekt ausgestattet und bei dieser
Wärme gibt es gleich ein Wasser und ne Cola dazu. Cola bei
Kilometer 5! Da merkt man, dass dieser Lauf von Läufern
organisiert ist. Klasse.
Schlagartig wird es still im Läuferfeld. Gut 400
Höhenmeter sind bis Kilometer 11 zu bewältigen. Zur
Erholung geht es zwischendurch aber etwa einen halben Kilometer leicht
bergab. Durchatmen und dann wacker hoch zum Schneeberggipfel (1053 m
ü. NN). Wie jedes Jahr lasse ich es hier betont langsam
angehen, trotzdem überholt mich hier niemand und ich kann
viele Plätze gut machen. Wie jedes Jahr. Nach 1:03 bin ich
oben. Völlig absurd, eine Minute schneller als im letzten
Jahr. Und da war ich deutlich besser trainiert und es war locker 10
Grad kühler.
Es folgt der wohl schönste Teil der Strecke, gut 10 Kilometer
wieder bergab, insgesamt ca. 500 Höhenmeter. Zunächst
recht steil mit wunderschönen Ausblicken und dann im Wald nur
leicht bergab. Hier läuft man wirklich auch mal einen
Kilometer ganz alleine. Balsam für die Psyche, Erholung noch
dazu, nur hier und da mal ein Abzweig oder eine Verpflegungsstelle,
sensationell schön. Nur die Uhr behalte ich genau im Blick:
Keinen Kilometer schneller als 5 Minuten, immer locker bleiben, nicht
verleiten lassen. Denn das Streckenprofil ist verdammt
tückisch. Man denkt, dass nach dem Schneeberg der
Großteil der Höhenmeter weg ist. Und dass danach nur
noch verhältnismäßig harmlose Steigungen
kommen. Bei Kilometer 25 der Anstieg zur Kösseine mit gut 200
Höhenmetern und dann eigentlich nichts mehr. Und wer nun mit
dieser Fehleinschätzung im Vollgasrausch den Schneeberg runter
läuft, wird auf der zweiten Hälfte böse
Probleme bekommen. Doch das ist vielen egal. Ich werde nur
überholt. Wie jedes Jahr. Ist mir ziemlich egal, denn die
Landschaft hier im Naturpark Fichtelgebirge ist wunderschön.
Genau beim Halbmarathon kommt man dann oberhalb von Leupoldsdorf wieder
aus dem Wald heraus. Die Uhr zeigt 1:58. Wie letztes Jahr. Ich
fühle mich eigentlich ganz gut und zuckel langsam durch den
Ort - wie jedes Jahr - an der begeistert anfeuernden Zuschauergruppe
vorbei.
Nächstes Ziel ist Tröstau. Vier Kilometer
pralle Sonne, zum Teil auf einem ehemaligen Bahndamm. Zum
Glück verhüllen ein paar Wolken mal den Himmel, so
hält sich das Schwitzen (noch) in Grenzen. Es läuft
gut. Ruhiger Schritt auf flachen Wegen, ruckzuck ist Tröstau
da mitsamt der großen Verpflegungsstelle.

Hier werden Fotos geschossen und ein paar Tage später kann man
sich dann mehr oder weniger im Internet bewundern. Erstaunlich nur,
wieviele Leute dort schon voll konzentriert in Richtung der
nächsten Steigung blicken. Und die kommt direkt nach der
Kurve. Zuerst einmal schattenlos am Golfplatz vorbei. Schlagartig
werden die Beine schwer, verschwunden ist all die Lockerheit der
letzten Kilometer, große Teile des Teilnehmerfeldes gehen
hier und wenn man wieder im Wald ist, kommt zum Glück erst
einmal ein Flachstück.
Dann allerdings wird's wirklich erfrischend, mit Steigungen bis zu 18%
geht's hoch auf die Kösseine, glücklicherweise nicht
bis ganz nach oben. Man muss nur wissen, dass ungefähr auf der
Hälfte des Anstieges ein Isostand ist, an dem es rechts weg
geht. Mittlerweile schlurfe ich nur noch ganz langsam vor mich hin,
aber das reicht, um an vielen Leuten vorbeizukommen. Trotzdem, jeder
Schritt fällt schwer.
Irgendwann bin auch ich dann oben. Röchelnd. Schwitzend.
Schwere Beine. Kilometer 27. 2:29 Stunden. Also noch 1:31 für
etwas mehr als 15 Kilometer, ergo nur noch den 6er-Schnitt halten, dann
komme ich so um vier Stunden rein.
Bis Kilometer 32 geht's jetzt erst mal größtenteils
runter, dann aber (natürlich) wieder hoch. Nicht mehr so viele
Höhenmeter, aber die Müdigkeit kommt immer mehr in
den Vordergrund. Vorbei an einem Steinbruch runter zur
nächsten Verpflegungstelle. Und es läuft prima. Nicht
mal das Malzbier, das ich irrtümlicherweise für Cola
halte, kann mich noch aufhalten.
Nochmal hoch und wieder runter, schon ist Kilometer 35 da, die
nächste Isostelle. Stefan und Tobi vom LLC aus Regensburg beim
achtzehnten Frühstück. Ich nutze die Gelegenheit und
rolle ungebremst vorbei. Einmal im Jahr bin ich schneller als die
beiden. Dann machen sie nämlich hier ihren
gemütlichen Trainingslauf. Und bei den Herbstmarathons sind
sie dann wieder Stunden vor mir im Ziel...
Kleinwengern, einmal durch den Ort und ab über's freie Feld.
Jetzt wird's warm. Und als dann irgendwann der Wald kommt und es wieder
bergab geht, weiss man schon, was einem blüht... oh ich hasse
diesen Hügel hinter der Senke mit der Brücke...
Eigentlich ja gar nicht viel, so etwa 30 oder 40 Höhenmeter.
Aber zu dieser Zeit? Bah...
Oben angekommen geht's wieder runter, diesmal nach Alexanderbad,
zwischendurch noch versucht, einem Mitläufer die
Wadenkrämpfe zu entkrampfen, es ist mittlerweile wirklich
verdammt heiss geworden. Noch eine Wiese, durch die
Unterführung durch, schattenlos bergauf an einem Gewerbegebiet
vorbei, scharfe Rechtskurve - und dann kommt dieses grauenhafte letzte
Streckenstück nach Wunsiedel.
Freies Feld, Sonne pur, Kilometer 39, grober Schotter, wieder rauf,
noch mehr Sonne, Kurve rechts, Kurve links, Wiese, wieder rauf.....
jetzt wird's langsam wirklich übel. Die Birne läuft
heiss, die Kräfte lassen langsam nach - aber
natürlich ist da vorne immer noch jemand, den man ja doch noch
einholen könnte und die Uhr deutet mittlerweile auf eine Zeit
knapp unter 3:50 hin... also nochmal alles geben.
Endlich bergab und dann bei Kilometer 40,5 nochmal eine Wasserstelle.
Toll, richtig toll vom Orgateam, denn hier verlassen einen
spätestens die Kräfte und die restlichen Meter gegen
den Wind sind mit einem zusätzlichen Becher Wasser durchaus
leichter durchzustehen. Was soll's, das Stadion in Wunsiedel ist da und
plötzlich ist alles natürlich wieder ganz locker, ab
durch's Ziel, 3:49:12, locker austraben, endlich irgendwie in den
Schatten setzen und trinken, trinken und nochmals trinken. Erst jetzt
merke ich, wie warm es heute eigentlich ist. 29 Grad.
Aber wie jedes Jahr: Fünf Minuten später ist schon
klar, dass ich hier wohl auch nächstes Jahr wieder dabei sein
werde. Ein wunderschöner Lauf in herrlicher Natur und das noch
alles perfekt organisiert. Die Anreise lohnt sich wirklich!
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